Es trifft zu, dass Burnout und Depressionen in Heil- und Pflegeberufen weiter verbreitet sind, als in anderen Berufsgruppen. Und es gibt tatsächlich auch Studien, die eine (schwache) Korrelation von einem hohen Maß an Empathie ("unkontrollierte Empathie") und der Prävalenz von Depressionserkrankungen nahelegen. Wesentlicher ist aber der Einfluss von "Overcommitment" in diesen Berufsgruppen und vor allem der Rahmenbedingungen dort: Arbeitszeit, Schichtarbeit, Fallzahlen und Aktivitäten je Zeiteinheit, Betreuungsquote etc. Ob Pflegekräfte tatsächlich besonders empathische Menschen sind, dazu kenne ich keine Aussage.Cogi Tatum hat geschrieben:Da irrst Du dich meiner Meinung nach sehr.captainbeefheart hat geschrieben:...Hier ist für mich ein sensibler, achtsamer und empathischer Umgang der "Mehrheit" gefordert. Das beginnt bei der Sprache und endet noch lange nicht bei konkretem Handeln.
"Denn irgendwann ist auch mal gut" weiß der kleine Malocher (der früher SPD wählte) "denn sonst geht das auf die eigenen Knochen".
Die von Dir bevorzugte empirische Evidenz stellt z. B. fest, dass besonders empathischen Menschen wie zum Beispiel Pflegekräften überdurchschnittlich viel Antidepressiva verschrieben werden. Vor diesem Hintergrund sehe ich Deine Forderung, dass die Mehrheit in der Gesellschaft jetzt noch schuldbewusst die Verantwortung für die mentale Gesundheit von Migranten übernehmen soll, ziemlich kritisch.
In jedem Fall ergibt der Rückschluss von einer spezifischen Berufsgruppe auf die Grundgesamtheit einer Gesellschaft keinen Sinn. Und ebenso geht es zu keinem Zeitpunkt um "Schuldbewusstsein" (jede*r kann zu jedem Zeitpunkt auch ohne Schuldgefühle seinen Mitmenschen gegenüber achtsam sein) und ebenso geht auch nicht darum "Verantwortung für die mentale Gesundheit" für andere zu übernehmen, was im Umkehrschluss wiederum nicht heißt, dass wir hier nicht rücksichtsvoll agieren können.
Auf Deine Aussagen, "dass wir Migranten vor der Migration besser vor den Folgen warnen sollten" gehe ich nicht ein, dafür sind mir die vorgebrachten Argumente in ihrem Zynismus und Wahllosigkeit einfach zu dünn.
Wie schon mal gesagt, wir müssen nicht einer Meinung sein.

