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Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 15:16
von beeste
Linus hat geschrieben:Ein Kollege erzählte gerade von einem Buch daß mit der Tüte des Buchhändlers verschenkt hat. Weil auf der Tüte stand "Lesen schadet der Dummheit".

Ja, schöne Werbung.
Sag mal, hat einer von euch den
"Ulysses" gelesen? Einer von den Kandidaten, die ich schon ein paarmal angefangen habe...
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 15:44
von pioto
drullse hat geschrieben:pioto hat geschrieben:Ansonsten Kopfschüttel...Belletristik taugt nix, aber jeden Scheiß in der Glotze reinziehen und den Müll aus "Was isst du gerade" auch aufsaugen
Hab's schon lange nicht mehr gesagt, aber stimme Kampa 100% zu, und SF auch und allen anderen, die sich über Literatur wie ein Karnickel hinwegsetzen!
Dann auf: wo ist der Mehrwert dieser sogenannten intellektuellen Lektüre?
Von intellektueller Lektüre habe ich nichts geschrieben, nur von Belletristik, worunter ich den Gegensatz zum Sachbuch verstehe. Mehrwert: Es hat zum Beispiel mehr Wert, in einem gescheiten Buch zu schmökern, als ziellos durch die Programmplätze 324-348 durchzuzappen

Klar gibt's mindestens genauso viele grottige Bücher wie Fernsehsendungen, aber so manches Buch ist einfach ein Hochgenuss. Ich schaue im Winter auch relativ viel fern bzw. DVD, aber wenn nix Interessantes kommt, dann les ich was und vor dem Einschlafen sowieso. Interessiert natürlich keine Sau, wollte ich aber trotzdem mal gesagt haben. Für mich liegt der Mehrwertung in der Entspannung, in der sprachlichen Finesse, in einer spannenden, witzigen...etc. Handlung - was alles so nuancenreich nur im Buch zu vermitteln ist.
Ich persönlich stehe auch nicht so auf Klassiker, aber wie man Interesse an selbigen weckt, wurde bei uns im Deutschunterricht vorgemacht. Erst "Die Leiden des jungen Werthers" von dem chaotischen Politiker Goethe gelesen und danach "Die neuen Leiden des jungen W." vom kürzlich verstorbenen Ulrich Plenzdorf. Das hatte schon was!
Außerdem durften wir selbst entscheiden, welche Bücher im Deutschunterricht behandelt wurden (allerdings waren "Die Verwandlung" von Kafka und "Emilia Galotti" von Lessing gesetzt; Verwandlung ging aber noch für Kafka). Unsere vierköpfige Arbeitsgruppe hat auf meine Empfehlung "Katz und Maus" von Günter Grass ausgewählt. Da kommt eine Stelle drin vor, in der sich die Hauptfigur Mahlke einen von der Palme schüttelt. Unsere Arbeitsgruppe hat die Stelle als besonders relevant ausgewählt und zum Vorlesen die Oberstreberin Ingrid Peters ausgesucht. Das war der ganz schön peinlich

Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 17:56
von Flow
beeste hat geschrieben:
Sag mal, hat einer von euch den
"Ulysses" gelesen? Einer von den Kandidaten, die ich schon ein paarmal angefangen habe...
... streckenweise 'ne ganz schöne Zumutung, Herr Joyce !
Aber durchgehalten ... kein DNF ...
... im Original natürlich ...
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 18:07
von Kampa
Flow hat geschrieben:beeste hat geschrieben:
Sag mal, hat einer von euch den
"Ulysses" gelesen? Einer von den Kandidaten, die ich schon ein paarmal angefangen habe...
... streckenweise 'ne ganz schöne Zumutung, Herr Joyce !
Aber durchgehalten ... kein DNF ...
... im Original natürlich ...
Du bist krank

Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 20:47
von Sportfreundin
Anja hat geschrieben:Kabale und Liebe fand ich auch klasse.
Aber ob einem (vielleicht auch noch desinteressierten) Haupt- oder Sonderschüler das oder Faust was gibt, ob sie das zum Denken anregt oder eher vergrault - das muß man halt auch überlegen.
Das "unabhängig des Schultyps" geht in meinen Augen einfach nicht.
Anja
also in der DDR war es ja so, dass alle kinder bis zur 10. klasse zusammen zur schule gegangen sind. es gab nur diesen einen schultyp. demzufolge haben wir auch alle das gleiche gelernt, bzw. gelesen. der faust kam in der 9. klasse dran. abgesehen davon, dass ich im literaturunterricht sowieso die einzige war, die mitgearbeitet hat (nein, ich war keine streberin, ich war eben nur interessiert), hat doch die ganze klasse etwas vom faust mitbekommen. ob nun jeder den sinn verstanden hat? wohl nicht. aber zumindest hat die schule hier ihren anspruch erfüllt, allgemeinbildend zu sein. zumindest wusste jeder in meiner klasse, was ungefähr der faust ist, wer es geschrieben hat und dass der osterspaziergang darin zu finden ist. stellt euch mal vor, ihr fragt einen spanier nach don quijote und der weiß nicht, was das ist. ihr würdet denken, das ist ein totaler idiot.
allgemeinbildend also sollte die schule sein. außerdem, und hier kommen wir zum kaiser zurück, sollte sie vll. die kinder oder die jugendlichen dazu bringen, zu lesen. also spaß an der literatur zu haben. den spaß kriegt man mit dem faust nicht unbedingt. dafür gibt es aber so viele andere bücher, die gut geschrieben sind und die geile geschichten erzählen. die mischung macht es.
da fällt mir noch ein: wir hatten alle einen totalen spaß, als wir den "zauberlehrling" auswendig lernen mussten. und zwar jeder von uns. auch eine methode.

Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 18 Mär 2008 20:49
von Sportfreundin
Linus hat geschrieben:Ein Kollege erzählte gerade von einem Buch
daß mit der Tüte des Buchhändlers verschenkt hat. Weil auf der Tüte stand "Lesen schadet der Dummheit".

Wer viel liest, hat auch keine Rechtschreibprobleme.
SCNR
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 00:52
von drullse
Sportfreundin hat geschrieben:stellt euch mal vor, ihr fragt einen spanier nach don quijote und der weiß nicht, was das ist. ihr würdet denken, das ist ein totaler idiot.
Nö. Ich würde ihn da einordnen, wo ich den Großteil der Deutschen einordne: uninteressiert.
außerdem, und hier kommen wir zum kaiser zurück, sollte sie vll. die kinder oder die jugendlichen dazu bringen, zu lesen.also spaß an der literatur zu haben.
Warum? Diese Frage ist absolut ernst gemeint. Meiner Meinung nach ist es viel (!) wichtiger, den Menschen beizubringen, differenzieren und analysieren zu lernen. Und dazu ist Literatur nicht zwingend nötig. Schon gar nicht solche, deren Zugangen den meisten verwehrt bleibt.
den spaß kriegt man mit dem faust nicht unbedingt. dafür gibt es aber so viele andere bücher, die gut geschrieben sind und die geile geschichten erzählen. die mischung macht es.
Das sehe ich ähnlich - nur die Schulen (bzw. der Lehrplan) nicht.
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 00:55
von drullse
Sportfreundin hat geschrieben:Wer viel liest, hat auch keine Rechtschreibprobleme.
SCNR
Nonsense - wer viel liest bekommt die erst Recht, denn die Klassiker werden ja wohl hoffentlich nicht in Neusprech umgedeutscht.
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 01:09
von drullse
pioto hat geschrieben:Ich persönlich stehe auch nicht so auf Klassiker, aber wie man Interesse an selbigen weckt, wurde bei uns im Deutschunterricht vorgemacht. Erst "Die Leiden des jungen Werthers" von dem chaotischen Politiker Goethe gelesen und danach "Die neuen Leiden des jungen W." vom kürzlich verstorbenen Ulrich Plenzdorf. Das hatte schon was!
Genau - das klassische Duo. Erging mir genauso. Glücklicherweise war mein Deutschlehrer auch unser Musiklehrer, damit Chorleiter und Orchesterfuzzi (später mein Musik-LK-Lehrer) und hatte was übrig für ausgiebige Frühstückstermien Sonntags mit Sekt und Kirschwasser. Das machte die Qual erträglich.
Die obligatorische Buchvorstellung in der Oberstufe war meinerseits logischerweise
Die Einsamkeit des Langstreckenläufers.
Ich lese Fantasy und Science Fiktion oder halt echte Fachbücher. Schon immer. Genauso wie ich im Kino oder Fernsehen keinerlei "sozialkritische Filme" oder ähnliches Zeugs schaue. Entweder ich befasse mich damit im Rahmen von Nachrichten oder Ähnlichem oder halt nicht. Bücher und Filme sind für mich Entertainment. Und ich werde IMMER ein Buch von Terry Brooks oder Terry Pratchet einem Goethe, Schiller o.ä. vorziehen.
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 01:18
von Anja
drullse hat geschrieben:Sportfreundin hat geschrieben:Wer viel liest, hat auch keine Rechtschreibprobleme.
SCNR
Nonsense - wer viel liest bekommt die erst Recht, denn die Klassiker werden ja wohl hoffentlich nicht in Neusprech umgedeutscht.
Sie wurden doch eh umgedeutscht. - Die Kollegen haben damals doch auch nicht das Deutsch das 21. Jahrhundert gesprochen und vieles sogar in Dialekt verfaßt.
Anja
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 01:44
von drullse
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ ... 14,00.html
Wie passend.
"In seinem Roman "3001: Die letzte Odyssee" aus dem Jahr 1998 hat menschliche Intelligenz nur im Weltraum überlebt, während auf der durch Klimakatastrophen zerstörten Welt nur noch einige primitive Lebewesen zu finden sind."
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 08:51
von kaiseravb
pioto hat geschrieben:Ich persönlich stehe auch nicht so auf Klassiker, aber wie man Interesse an selbigen weckt, wurde bei uns im Deutschunterricht vorgemacht. Erst "Die Leiden des jungen Werthers" von dem chaotischen Politiker Goethe gelesen und danach "Die neuen Leiden des jungen W." vom kürzlich verstorbenen Ulrich Plenzdorf. Das hatte schon was!
Das hab ich sogar ganz gelesen. Der letze Bullshit, nebenbei bemerkt.

Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 09:00
von apanasana
kaiseravb hat geschrieben:
Ich stoße mich am Alleinvertretungsanspruch bezüglich bestimmter Themen und Formen, der manchem Werk wie selbstverständlich kritiklos zugestanden wird.
Wieso sollte jemand ein Buch kritisieren, entweder es gefaellt oder es gefaellt nicht, voellig unabhaengig ob das jetzt grosse Weltliteratur ist oder nicht.
Ich finde eben Goethe toll, ich lese ihn gern, auch wenn Buecher wie die Julia Romane bei weitem einfacher zu lesen sind. Ich unterscheide da zwischen reiner Unterhaltung und "Kunst".
Ob jemand liest, fernsieht oder keins von beidem, ist doch gleichgueltig.
PS: Wenn ich so darueber nachdenke, dann konnte ich, abgesehen davon, dass ich schreiben, lesen und Kopfrechnen kann, sogut wie nix von dem was ich in der Schule gelernt hab in meinem bisherigen Leben anwenden...

Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 09:03
von Kampa
Hier mal mein aktueller Literaturtipp - gestern zu Ende gelesen
Charles Lewinsky - Melnitz
Kurzbeschreibung (aus Amazon)
Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt noch keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Über vier Generationen erstreckt sich ihre Geschichte voller Liebesglück und Lebenstrauer, ihr Kampf um Erfolg und Anerkennung. Charles Lewinsky erzählt mit einer Gestaltungskraft, die den Leser unweigerlich zu einem bangenden, hoffenden und fiebernden Teil dieser Familie werden lässt.
Meine Eindrücke
Das Buch beginnt 1871 und endet 1945 - es ist eine jüdische Familiensage in der Schweiz. Das Buch ist weder anklagend noch versucht es ein schlimmes Ergeignis mit dem nächsten zu überholen.
Der Autor schafft Charaktere, die lebendig werden. Mir gefällt sein Stil, an den Stellen die wichtig sind wird der Stoff sehr dicht, dann werden Jahrzehnte übersprungen, Ereignisse nur angedeutet.
Das Ende ist nicht ganz ohne - man sollte nicht unbedingt danach noch eine Verabredung zum ersten Date haben, denn es könnte sein, dass die eigenen Gefühle schon ziemlich durcheinandergewirbelt sind und man erst einen Moment braucht um sich zu sortieren.
Prädikat: Empfehlenswert
Für alle die, die sich mit jüdischen Festen und Begriffen nicht besonders auskennen, gibt es dankenswerterweise am Ende ein Glossar.
Re: Literatur-Ecke
Verfasst: 19 Mär 2008 09:05
von Kampa
apanasana hat geschrieben:
Wieso sollte jemand ein Buch kritisieren, entweder es gefaellt oder es gefaellt nicht, voellig unabhaengig ob das jetzt grosse Weltliteratur ist oder nicht.
.....
ääähm das ist jetzt aber nicht Dein Ernst oder
