Klugschnacker hat geschrieben:Nein, angesichts der immer gleichen Muster an Gewalt und Ausgrenzung bei allen großen Religionen darf man die Probleme im religiösen Kern selbst vermuten. Und zwar in der Bereitschaft, Unwahres zu glauben und sich nicht darum zu kümmern, ob das Geglaubte wahr ist.
Wenn ich dich richtig verstehe, dann denkst du in die Richtung, dass Religionen geschaffen wurden oder am Leben gehalten werden, um Menschen zu unterdrücken, Kriege zu führen, Schwule auszugrenzen und Flugzeuge in Wolkenkratzer zu fliegen. Wie vermutlich jeder weiß, werden und wurden sie das natürlich leider auch, aber das ist nicht der Zweck. Ich glaube, dass Relgion, also die Suche nach etwas Göttlichem oder Übergeordnetem, tief urmenschlich ist. Dass also eine Religion auch dann entstehen würde, würden irgendwo Menschen in einer völlig religionsfreien Umgebung hineingeboren. Was nicht heißt, dass alle Menschen auch wirklich religiös sind (Property kann also true oder false sein, hat aber jeder

). Gewehre werden gebaut, um Menschen zu töten, Religionen aber nicht. Religionen werden meiner Meinung nach dazu missbraucht, so wie andere Dinge eben auch von Menschen missbraucht werden um ihre Macht, Einfluss und Wohlhaben zu vergrössern. Dass viele Menschen blind diesen Missbrauchern folgen, gibt es aber überall. Auch Staaten nutzen das für ihre Kriege.
Klugschnacker hat geschrieben:
Aber vielleicht habe ich Dich jetzt mit meiner langen Rede etwas überfahren. Das war nicht meine Absicht. Also konkret nachgefragt: Welchen Wert, von dem Du oben sprichst, haben wir denn den Religionen oder den Kirchen zu verdanken?
Peace,
Arne
Religionen vermitteln ein Gemeinschaftsgefühl, z.b. gemeinsam an etwas zu glauben. Religionen spenden Trost und Halt in schwierigen Zeiten. In früheren Zeiten wären Menschen ohne den Glauben an die Religionen wahrscheinlich gar nicht im Stande gewesen, Misstände überhaupt zu ertragen. Ein gemeinsamer Glaube ermöglichte es vielleicht erst, Menschen zusammen zu halten und zu mobilisieren.
Zwei kurze Geschichten:
ein Freund von mir, mit dem wir mittwochs jahrlang in die Saua gingen, erkrankte an Krebs und starb in kurzer Zeit. Er und seine Familie waren aus der Kirche ausgetreten. Seine Frau war untröstlich, suchte und fand wieder Halt in der Kriche. Du kannst jetzt sagen, besser kein Trost als ein womöglich falscher Trost. Ich sage: besser ein Trost als gar kein Trost.
Eine nahe Verwandte (auch aus der Kriche ausgetreten) bekam ihr erstes Kind. Ich besuchte sie noch im Krankenaus. Sie hatte ihr Neugeborenes im Arm, Tränen vor Glück in den Augen und sagte: Ich würde so gern dem lieben Gott danken, aber kann gar nicht, weil ich ja nicht an ihn glaube.
Viele und immer mehr Menschen kommen mit dem Leben nicht mehr zurecht. Mag sein, dass du das alles meisterst und immer meistern wirst, andere sind halt schwächer und brauchen spirituellen Trost oder Hilfe im Glauben. Die Religionen und Kirchen bieten sich dafür an.