HansM hat geschrieben:
Die spannende Frage ist doch: Warum ist das so ?
Ich versuchs mal:
Wir ziehen den kurzfristigen „Gewinn“ bzw. die kurzfristige „Schmerzvermeidung“ vor: Mal eben schnell noch eine Party VOR Vermeidung des langandauernden Lockdown.
Wir haben eine „loss aversion“: Die Beschränkung der im Sommer wiedergewonnenen Freiheit wird emotional viel stärker einschränkend wahrgenommen, als die ersten Beschränkungen im März/April und deshalb regt sich mehr Widerstand.
Wir treffen Entscheidungen aufgrund schnell verfügbarer Heuristiken, langsames Abwägen von Wahrscheinlichkeiten ist uns viel zu anstrengend: Eine halbwegs plausible, einfache Schlagzeile („jetzt geht es an unsere Grundrechte und die Freiheit“) triggert uns mehr als rationales Abwägen verschiedener (wissenschaftlicher) Perspektiven.
Wir unterliegen der Kontrollillusion: „Ich kontrolliere doch mein eigenes Verhalten, wie soll mich dann so ein zufälliges Ereignis wie eine Ansteckung treffen? Das habe ich auch ohne Regeln im Griff!“
Wir vollziehen eine emotionale Beweisführung, unsere empfundenen Emotionen (hier oft Angst und Wut) werden als Beweis für eine Annahme betrachtet: „Ich wusste schon immer, dass die da oben uns klein halten wollen!“
Wir haben die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen bestätigen: „Das wusste ich doch gleich und das hat der Wodarg und der Schiffmann auch schon ganz am Anfang gesagt ...“
Und wenn das widerlegt wird, dann greift die Tendenz, sich für unbeeinflusst zu halten: „Ich informiere mich ausgewogen, schau auch mal alternative Quellen an und lass mich doch nicht von den Mainstream Medien manipulieren!“
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Und für eine Pandemie reicht es, wenn sich 5 bis 20 Prozent so verhalten allemal.