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Gedichte

Verfasst: 10 Mär 2006 14:02
von chris76
Mein Kollege hat einen bekannten der folgendes Gedicht geschrieben hat. Ich würde gerne mal eure Meinung dazu hören wie dieses Gedicht zu bewerten ist, was es aussagt.

http://www.e-stories.de/gedichte-lesen.phtml?58222

Rainer Grotehen
unendlich frei


wenn man die Wahrheit erkennt
wird man frei
wenn man in die Zukunft blickt
erkennt man das Wesentliche
wie kann man Wahrheit und Zukunft
in einem vereinen
indem man die Wahrheit
in dem Vergangenen erkennt
und die Zukunft im Jetzt
und man wird frei
unendlich frei

Verfasst: 10 Mär 2006 14:25
von Hammer
wenn man die warheit erkennt
wird man frei

die wahrheit ist in der regel relativ und hängt von der betrachtungsweise ab. welche wahrheit meint er? meint er vielleicht eher den sinn oder den glauben?

er meint, man solle erkennen, was wirklich wichtig ist.
man kann aber nicht wissen was morgen wesentlich sein wird. ausser natürlich das es mir und meinen lieben gut geht. dafür muss ich aber nicht in die zukunft blicken. da hätte ich wohl anders formuliert

indem man die Wahrheit in dem Vergangenen erkennt und die Zukunft im Jetzt

der satz ist voll ok, aber nichts neues und nicht wirklich neu verpackt. abwohl ich jetzt kein beispiel habe. und hier stört mich wieder das wort wahrheit.

seine schlußvolgerung

und man wird frei
unendlich frei

könnte auch heißen:

und man ist beklommen und
nimmt sich nen strick


Also ich finde es nicht so klasse!

Verfasst: 10 Mär 2006 14:32
von chris76
Hammer hat geschrieben:könnte auch heißen:
und man ist beklommen und
nimmt sich nen strick
Ja so könnte mand as interpretieren. Vielleicht hätte ich dazu schreiben sollen das da beziehungsmässig was in die Brüche gegangen ist. Les dir mal den Kommenatr dazu auf der Seite durch.

Verfasst: 10 Mär 2006 14:42
von Flow
Hammer hat geschrieben: ...
die wahrheit ist in der regel relativ und hängt von der betrachtungsweise ab.
...
Wahrheit kann, meiner Meinung nach, nicht relativ oder subjektiv sein, sonst wäre es nicht Wahrheit !
Wahrheit zu erkennen ist natürlich ein anderes Thema; dabei mögen individuelle Bilder entstehen.
Weil diese sich in der Regel unterscheiden, bzw. aufgrund kommunikativer Disharmonien unzureichend miteinander verglichen werden, insofern also kein einhellig anerkanntes Bild der Wahrheit entsteht, gleich die Existenz von Wahrheit überhaupt in Frage zu stellen, halte ich für fragwürdig.

MFG

Verfasst: 10 Mär 2006 16:15
von think-or-thwim
ich finde, das ist ein sehr schönes gedicht.
unter der wahrhiet, so wie ich das sehe, würde ich verstehen, sich selbst ehrlich gegenüber zu sein. wahrheit und ehrlichkeit stehen doch im unmittelbaren zusammenhang. der bezug auf die vergangenheit weist darauf hin, dass man aus dieser schöpfen soll, also das wesentliche erkennt, lernen soll für die gegenwart und auch zukunft. indem man die lehren aus der vergangenheit zieht, lebt man doch in der gegenwart, also jetzt. freiheit ist jetzt und nicht morgen

Verfasst: 10 Mär 2006 16:22
von Hammer
Flow hat geschrieben:
Hammer hat geschrieben: ...
die wahrheit ist in der regel relativ und hängt von der betrachtungsweise ab.
...
Wahrheit kann, meiner Meinung nach, nicht relativ oder subjektiv sein, sonst wäre es nicht Wahrheit !
Wahrheit zu erkennen ist natürlich ein anderes Thema; dabei mögen individuelle Bilder entstehen.
Weil diese sich in der Regel unterscheiden, bzw. aufgrund kommunikativer Disharmonien unzureichend miteinander verglichen werden, insofern also kein einhellig anerkanntes Bild der Wahrheit entsteht, gleich die Existenz von Wahrheit überhaupt in Frage zu stellen, halte ich für fragwürdig.

MFG

Du hast natürlich von der reinen Bedeutung des Wortes her Recht! Die Wahrheit ist unumstritten. 2+2=4=wahr

Die oder die Person ist schlecht, böse, hübsch, hässlich? für einige wahr für andere nicht.

wahr und flasch sind eben nicht 0 und 1. da spielt sich ne menge in der interpretation ab.

Verfasst: 10 Mär 2006 16:40
von Hammer
think-or-thwim hat geschrieben:ich finde, das ist ein sehr schönes gedicht.
unter der wahrhiet, so wie ich das sehe, würde ich verstehen, sich selbst ehrlich gegenüber zu sein. wahrheit und ehrlichkeit stehen doch im unmittelbaren zusammenhang. der bezug auf die vergangenheit weist darauf hin, dass man aus dieser schöpfen soll, also das wesentliche erkennt, lernen soll für die gegenwart und auch zukunft. indem man die lehren aus der vergangenheit zieht, lebt man doch in der gegenwart, also jetzt. freiheit ist jetzt und nicht morgen
was du hier schreibst hat nichts mit wahrheit, sondern mit erkenntnis bzw. begreifen zu tun! insofern stimm deine zweite these, dass es darum geht aus der vergangenheit zu lernen. das wiederum hat nicht zwingend zur folge, dass man hinterher frei ist und es einem gut geht.

insofern hat das gedicht meiner meinung nach schwächen.

1.) die verwendung des begriffs WAHRHEIT
2.) die allgemeingültige aussage danach sei man frei


wenn man die Wahrheit erkennt
wird man frei

indem man die Wahrheit
in dem Vergangenen erkennt
und die Zukunft im Jetzt
und man wird frei
unendlich frei

ich vermute mal, dass sich der herr keine gedanken darüber gemacht hat,
dass er bereits in der zweiten zeile "frei" geworden ist.
immerhin wird er am schluß unendlich frei.

mal ganz ehrlich, also quasi die wahrheit ;)

das teil ist echt scheisse.......
oberflächlich erstmal ok,
was er sagen will auch ok,

er drückt es aber so umständlich aus, dass er sich verzettelt. es ist faktisch einfach schlecht.

und nun die frage: "ist das wahr" ? :newwer

Verfasst: 10 Mär 2006 18:21
von think-or-thwim
gegenteil von wahrheit ist lüge!

wenn man in einer lüge leben kann (allgemein gesproichen) , kann man auch in der wahrheit leben
wer in einer lüge lebt, ist in dieser gefangen, man läuft ständig im kreis und kommt nicht weiter (in der gegenwart und zukunft also) , also kann man mit einer lüge nicht frei sein.

hat man gewisse lehren aus der vergangenheit gezogen, seine lügen erkannt und somit auch die wahrheit, kann man in der gegenwart auch in der wahrheit leben. somit ist der weg für die zukunft so gesehen frei für ein weiteres leben in der wahrheit.

ich denke es geht hier nicht um eine allgemeine wahrheit..sondern um die eigene...als gegenpol zur persönlichen lüge.

lies dir das gedicht doch noch mal unter dem aspekt durch..ich finde, das macht sinn!

Verfasst: 10 Mär 2006 18:49
von Hammer
think-or-thwim hat geschrieben:gegenteil von wahrheit ist lüge!

wenn man in einer lüge leben kann (allgemein gesproichen) , kann man auch in der wahrheit leben
wer in einer lüge lebt, ist in dieser gefangen, man läuft ständig im kreis und kommt nicht weiter (in der gegenwart und zukunft also) , also kann man mit einer lüge nicht frei sein.

hat man gewisse lehren aus der vergangenheit gezogen, seine lügen erkannt, kann man in der gegenwart auch in der wahrheit leben. somit ist der weg für die zukunft so gesehen frei für ein weiteres leben in der wahrheit.

ich denke es geht hier nicht um eine allgemeine wahrheit..sondern um die eigene...als gegenpol zur persönlichen lüge.

lies dir das gedicht doch noch mal unter dem aspekt durch..ich finde, das macht sinn!
Ich versteh schon was er/du sagen will/st! Aber es ist halt schlecht rübergebracht! Und der Aspekt das es um das Leben in einer Lüge geht ist ja ganz nett, aber er spricht davon das er die Wahrheit erkennt. Nicht dass er die Lüge erkennt. Das ist einfach was anderes (für mich).

Gott sei dank sind die Geschäcker verschieden. Aber allein die Tatsache, dass er zweimal "frei" ist, macht das ganze zu einem schlechten Gedicht. Da gibt es dann auch kein Geschmack, dass ist einfach so! Was nicht heißen soll, dass ich das besser kann................

von mir gäbe es eine 4 dafür ....

Verfasst: 10 Mär 2006 18:54
von think-or-thwim
Hammer hat geschrieben:
think-or-thwim hat geschrieben:gegenteil von wahrheit ist lüge!

wenn man in einer lüge leben kann (allgemein gesproichen) , kann man auch in der wahrheit leben
wer in einer lüge lebt, ist in dieser gefangen, man läuft ständig im kreis und kommt nicht weiter (in der gegenwart und zukunft also) , also kann man mit einer lüge nicht frei sein.

hat man gewisse lehren aus der vergangenheit gezogen, seine lügen erkannt, kann man in der gegenwart auch in der wahrheit leben. somit ist der weg für die zukunft so gesehen frei für ein weiteres leben in der wahrheit.

ich denke es geht hier nicht um eine allgemeine wahrheit..sondern um die eigene...als gegenpol zur persönlichen lüge.

lies dir das gedicht doch noch mal unter dem aspekt durch..ich finde, das macht sinn!
Ich versteh schon was er/du sagen will/st! Aber es ist halt schlecht rübergebracht! Und der Aspekt das es um das Leben in einer Lüge geht ist ja ganz nett, aber er spricht davon das er die Wahrheit erkennt. Nicht dass er die Lüge erkennt. Das ist einfach was anderes (für mich).

Gott sei dank sind die Geschäcker verschieden. Aber allein die Tatsache, dass er zweimal "frei" ist, macht das ganze zu einem schlechten Gedicht. Da gibt es dann auch kein Geschmack, dass ist einfach so! Was nicht heißen soll, dass ich das besser kann................

von mir gäbe es eine 4 dafür ....
sei nicht so streng, herr lehrer :) aber du hast recht, es ist halt geschmacksache. gedichte sind ja auch kunst, und nicht jedes bild kann jedem gefallen. ich finde mona lisa zb ziemlich hässlich :lol:
man kann halt alles positiv oder negativ ausdrücken..glas halb voll oder halb leer...ich finde zb auch das deutsche wort "krankenkasse" recht blöd....im englischen heißt das health insurance. ...ich finde das gedicht ist da eher positiv ausgedrückt, weil unser poet nicht das wort lüge, sondern das wort wahrheit benutzt hat.

ich finds recht nett und auch toll, dass der author sich solche gedanken macht und es in der form ausdrückt und zum nachdenken anregt. von mir bekommt der amateurdichter daher ne 1. ;) denn es ist ja wahrheit drin :-))

Verfasst: 10 Mär 2006 22:40
von chris76
Ich find's gut für ein Gedicht eines normalsterblichen wie du und ich. Es ist sehr duster was mir ganz gut gefällt. Die Kernaussage des Gedichts ist für mich: "Es gibt keine Zukunft."

Die theoretische Diskussion über die Verwendung und Bedeutung der Wahrheit im Gedicht halte ich für verfehlt. Darum geht es nicht. Es geht um eine erlangte Erkenntnis, ob die nun wahr ist oder nicht, ist zweitrangig. Ich stimme mit t-o-t's Meinung weitestgehend überein.

Hat noch wer ein anderes gutes Gedicht das wir analysieren können?

Verfasst: 10 Mär 2006 22:51
von drullse
chris76 hat geschrieben:Hat noch wer ein anderes gutes Gedicht das wir analysieren können?
Ja. Damit durfte ich mich in der Schule auseinandersetzen:

niemand mag den schmurgelstein
tupfengleich und blink -
reib die nase glatt und rein
an dem schnurreschmirgelstein -
auf drei beinen hink

von Jandl ist das glaube ich...

Verfasst: 11 Mär 2006 00:30
von vb_man
Ich kann nur Gebrauchslyrik:

Wer reitet so spät durch Wind und Nacht?
Es ist der Vater. Es ist gleich acht.
Im Arm den Knaben er wohl hält,
er hält ihn warm, denn er ist erkält'.
Halb drei, halb fünf. Es wird schon hell.
Noch immer reitet der Vater schnell.
Erreicht den Hof mit Müh und Not ---
der Knabe lebt, das Pferd ist tot!

Verfasst: 11 Mär 2006 03:12
von QRoo
Ich kann sowas nicht auswendig kernen und mußete darum googlen. Finde Heinz Erhardt irgendwie genial:

Ritter Fips und die Diät

Des edlen Ritter Fips Bestreben
ging dahin, streng diät zu leben,
denn er entdeckte dies: stieg ganz er
vom Kopf bis Fuß in seinen Panzer,
nachdem er aß, was sie ihm brieten,
dann platzte er aus allen Nieten.
Deshalb genoß er ohne frohes
Gefühl Gemüse - und zwar rohes.

Wie floß das Wasser ihm zusamm'
im Mund, sah er ein fettes Lamm !
An Suppen dacht er mit App'tit,
die er, genau wie Pudding, mied.

Jedoch, durch den Entzug des Fetts,
der Karbonaden und Kotletts
geriet gar bald in Harnisch er -
und siehe, plötzlich paßte der !

Schlußfolgerung:
Den Harnisch schafft der kluge Mann
sich gleich 'ne Nummer größer an.

Verfasst: 11 Mär 2006 13:21
von chris76
vb_man hat geschrieben:Ich kann nur Gebrauchslyrik:
Das ist doch der "Erlkönig" von Goethe.

Mit dem Schmirgelstein kann ich nichts anfangen. Das ist mir zu durchgeknallt. :D