Ich lach mich schlapp...

Der EMU-Stammtisch

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drullse
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Ich lach mich schlapp...

Beitrag von drullse »

"Meistens bin ich Richard Schröders Meinung, aber diesmal muss ich mich wehren. Rabeneltern sind es, die ihren Kindern morgens eine Tasse Milch oder Kräutertee und eine Scheibe Brot verwehren. Kennen Sie wirklich Kinder, die das möchten? Ich hätte mich gefreut, meinen Kindern ein gemütliches Frühstück und ein gesundes Pausenbrot anzubieten. Dazu gehören aber zwei!

Da die Schule um 8 Uhr anfängt, müsste man die Kinder mit eiserner Faust um 5 Uhr unter eine eiskalte Dusche halten, damit sie um 6 Uhr am Frühstückstisch bei Müsli und Rührei sitzen und um 7 Uhr im öffentlichen Verkehrsmittel Richtung Schule. Stattdessen versucht man nach vergeblichen Weckversuchen um 7 Uhr 30 unter Missachtung aller Verkehrsregeln den verpassten Bus zu überholen. Als „Pausenbrot“ wird ja auch nur akzeptiert, was gerade „in“ ist. Wenn man Glück hat, ist es Früchtequark. Das Kind, das die altgedienten Stullen mit Wurst oder Käse mit hat, muss sich doch nur anhören: „Eih Alter, das soll deine Mutter doch alleine fressen.“ Ein Frühstück in den Schulen hilft da auch nichts, solange die Kinder es nicht akzeptieren.

Barbara Saß-Viehweger,

Berlin-Lankwitz"

Für mich ja schon länger klar, was das eigentliche Problem ist: wir brauchen nicht mehr Kinder sondern mehr fähige Eltern. Ich bin in Lankwitz groß geworden und auch heute noch braucht da niemand länger als 20 Minuten zu einer Grundschule.

Aufstehen um 6:30, Abmarsch um 7:30, eine Stunde reicht dick und breit für Frühstück und den Rest. Ich bin um 5:45 aufgestanden und noch 10 Km vor der Schule gelaufen, dann Frühstück, aufs Rad und war um 8:00 dort (ok, nicht Grundschule aber der Weg war dafür länger).

Diese Mutter hat sich als vollständig unfähig dargestellt und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Traurig sowas. Schade dass man auf diese Leserbriefe nicht antworten kann...
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meggele
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Re: Ich lach mich schlapp...

Beitrag von meggele »

drullse hat geschrieben:Diese Mutter hat sich als vollständig unfähig dargestellt und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Traurig sowas.
Oh Mann. Da weiß man echt nicht, ob man lachen oder weinen soll. Das Kind wird es später sicherlich mal ganz toll haben, wenn ihm jetzt in vorauseilendem Gehorsam alles Recht gemacht wird :roll:
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kaiseravb
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Beitrag von kaiseravb »

Zwiegespalten. Mangelndes Durchsetzungsvermögen der Eltern... naja, schon irgendwie, weiß nicht so recht, ist halt immer ne Gradwanderung, nech. Vielleicht muss man manches einfach durchziehen, wenn man davon überzeugt ist. Aber was, und was nicht?

Meine "Leidensgeschichte" ist nämlich ähnlich :D
Zur Grundschule hatte ich gut 10 Minuten Fußweg (den ich auch volle 4 Jahre zu Fuß bewältig habe :win ), zum Gymnasium eine halbe Stunde mit Bus. Also warf mich mein Papa folgerichtig bis in die 8. Klasse hinein (oder 9.? weiss nimmer) jeden Tag eiskalt zuerst um halb sieben, später dann um sechs aus dem Bett, passte auf, dass ich auch ja ins Bad gehe und machte derweil Frühstück für mich. Ich sehnte den Tag herbei, an dem ich alt genug war, um mir nicht mehr dieses eklige Käse- oder Marmeladenbrot und den Tee mit zuviel Zitronensaft reindrücken zu müssen. Verschiedenste künstlerische Dinge fuhr er jahrelang auf. Er hat immer nur gemeint, wenn mir das nicht schmecke, was ich denn dann wolle. Mein schlichtes NICHTS, ein Glas Wasser genügt, hat er nicht akzeptieren wollen. Als ich dann endlich offenbar alt genug war, stand ich nurmehr ca. 20 Minuten vor Abmarsch auf, und machte den Spurt unter der Dusche durch zu meinen Schuhen und zum Bus, kam trotzdem so gut wie nie zu spät, und saß auch nicht müder in der Schule als vorher. Meine Eltern, besonders mein Vater, waren und sind der Meinung, dass ohne anständiges Frühstück der Tag nicht beginnen kann. Ich dagegen HASSTE ein frühes Frühstück, bin bekennender Viel- und Lanschläfer und frühstücke wochentags bis heute nicht wirklich. Allerdings stehe ich inzwischen freiwillig etwa 90 Minuten vorm Hausverlassen auf, mache mir ne Tasse Milchkaffee und nen Apfel, höre/lese Nachrichten und laufe langsam an. Das tut mir sehr gut, weil ich nicht so abgehetzt durch die Gegend laufe morgens, und mir die Leute die schnellschnell irgendwas auf der Straße reinpressen zuwider sind.

Was hat mir mein Vater nun beigebracht? Pünktlichkeit? Gesunde Ernährung? Gelassenheit? Hab ich das selber gelernt? Manche mögen es autoritär nennen, ich nenn es erstmal vorsichtig konsequent. Hätte er das nicht so lange durchziehen sollen? Ist es gut gewesen? Schlecht? Ich weiß es nicht. Kommentare erwünscht.

Grüße
Andi
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a) irgendwas ist gleich kaputt
b) irgendwer ist gleich mittel- bis schwer verletzt
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meggele
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Beitrag von meggele »

kaiseravb hat geschrieben:Zwiegespalten. Mangelndes Durchsetzungsvermögen der Eltern... naja, schon irgendwie, weiß nicht so recht, ist halt immer ne Gradwanderung, nech. Vielleicht muss man manches einfach durchziehen, wenn man davon überzeugt ist. Aber was, und was nicht?
Das ist ja irgendwie der Punkt: klar kann man in der Erziehung wie überall viel falsch machen. Aber die Erziehung "zugunsten" von kleinkindgruppendynamischen Modeerscheinungen zu opfern, geht ja nun überhaupt nicht.
kaiseravb hat geschrieben:Was hat mir mein Vater nun beigebracht?
Zu seinen Überzeugungen zu stehen? :lookaroun:

Oder er hat sich kurz mal als schlechtes Beispiel geopfert, damit Du's besser machen kannst :lol:
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powermanpapa
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Beitrag von powermanpapa »

wie immer ist das gesunde Mittelmass das richtige

Kinder laufen lassen wie sie wollen, geht in die Hose
Kinder ständig Dinge aufzwingen die sie absolut nicht wollen--es taugt auch nichts

Kinder sind das spannendste Projekt das man je in seinem Leben hat

Falsch machen kann man ständig alles

es richtig zu machen ist oft Glückssache

Aber eigentlich ists einfach---Jing/Jang, mal HART mal weich

Ansonsten?

Die Erziehung ist nur ein Teil dessen wie sich ein Mensch entwickelt

Schon in den Genen ist ne Richtung vorgegeben, besonders gut erkennt mans, wenn man mehr als nur ein Kind hat

was die Frau in dem Leserbrief beschreibt, nun es ist schlichtweg Realität
drullse hat geschrieben:.....
Diese Mutter hat sich als vollständig unfähig dargestellt und das auch noch in aller Öffentlichkeit. Traurig sowas. Schade dass man auf diese Leserbriefe nicht antworten kann...
Schwing keine Reden Bub, machs erst selber besser ;)
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drullse
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Beitrag von drullse »

powermanpapa hat geschrieben:Schwing keine Reden Bub, machs erst selber besser ;)
Ich werde mich hüten!!! Es hat seine Gründe, warum ich keine Kinder habe und auch nie haben werde (und es ist eine bewußte Entscheidung).

Und trotzdem maße ich mir an, Kritik zu üben, denn des Deutschen Attitüde "Du darfst nur Kritik üben, wenn Du es selbst besser kannst" gehe ich nicht mit.

Was die Mutter da beschreibt ist schlicht vollkommene Fehlorganisation. Wenn die Kinder nicht frühstücken wollen - bitte, dann halt nicht. Wenn ich nicht frühstücken wollte, dann brauchte ich auch nicht. Aber wenn ich dann später Hunger hatte war das eben auch mein Problem.

Die Unfähigkeit besteht in der Aussage, man müsste die Kinder um 5 Uhr etcetc. - vollkommener Blödsinn. Da es genügend Kinder gibt, die die Thesen der (zu schwachen) Eltern widerlegen, dass man ja gar nicht anders könne, weil ja die Gesellschaft und die anderen und überhaupt, bleibe ich dabei: die ist unfähig und von ihrer Sorte gibt es leider viel zu viele, die sich auf alle anderen verlassen, denn das Leben soll ja möglichst einfach bleiben. Auch wenn man natürlich auf die sogenannte Familienidylle nicht verzichten will.
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toursieger
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Beitrag von toursieger »

Meine Kinder trödeln morgens auch gerne und lassen sich für das Duschen und Frühstücken richtig Zeit.
Dafür nehmen sie gerne in Kauf, dass ca. 1 Stunde früher aufstehen müssen.

Den Fussweg von 10 Min. läuft der Große (8 Jahre) mit einem Freund zusammen.
Ist er zu spät, dann läuft sein Freund schon los und er muss halt zusehen damit er ihn wieder einholt.
In unserer Grundschule ist es auch noch so, dass die Kinder gemeinsam im Unterricht frühstücken und trinken.
Getränke (Wasser) werden immer abwechselnd von Eltern bereitgestellt.

Die Kleinen 6 und 3 Jahre werden dann aber von meiner Frau je nach Wetter mit dem Rad oder Auto in den Kindergarten gebracht.

Bisher läuft alles gut und wir können uns nicht beklagen (Eltern und Kinder).
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