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Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 10:12
von PeterMUC
Der Verlust der Freiheit (aus der Süddeutschen)
Merkwürdigerweise erinnert sich gerade die jetzige Elterngeneration sehr gerne an ihre eigene Kindheit in den sechziger und siebziger Jahren. Tagelang, so schien es, entdeckten wir die Welt, zogen verkratzt und verschmutzt durch Wälder, stiegen auf die höchsten Bäume und spuckten alles Mögliche hinunter, sammelten Würmer, nagelten wacklige Baumhäuser zusammen und bauten Staudämme durch Bäche. Wir erlebten die Abenteuer, vor denen wir unsere Kinder heute warnen.
der Artikel spricht mir sowas von aus dem Herzen !
Was ich so mit meinen Kindergarten-Mit--Eltern schon so erlebt habe, muss der Autor gewusst haben.
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 10:40
von beeste
PeterMuc hat geschrieben:Der Verlust der Freiheit (aus der Süddeutschen)
Merkwürdigerweise erinnert sich gerade die jetzige Elterngeneration sehr gerne an ihre eigene Kindheit in den sechziger und siebziger Jahren. Tagelang, so schien es, entdeckten wir die Welt, zogen verkratzt und verschmutzt durch Wälder, stiegen auf die höchsten Bäume und spuckten alles Mögliche hinunter, sammelten Würmer, nagelten wacklige Baumhäuser zusammen und bauten Staudämme durch Bäche. Wir erlebten die Abenteuer, vor denen wir unsere Kinder heute warnen.
der Artikel spricht mir sowas von aus dem Herzen !
Was ich so mit meinen Kindergarten-Mit--Eltern schon so erlebt habe, muss der Autor gewusst haben.
ich bin da ja zwiegespalten. Auf der einen Seite bekomm ich ob, der ueberumsorgten Kinder in meiner Umgebung immer eine Krise, auf der anderen Seite funktioniert das aktuelle Leben aber nur genau so, weil ein 'koerperlich' gerade mal 'defektes' Kind (kank, verletzt) eine empfindliche Stoerung im Tagesablauf bedeutet. Allerdings hatte
ich, der genau so aufgewachsen ist wie beschrieben, meinen ersten Knochenbruch mit 30 und war in der Kindeheit auch selten krank, was meine These der Ueberumsorgung stuetzt. Aber wie meinte eine Mutter zu mir nachdem ich mit den Jungs 2h Fussball im Schneeregen gespielt hatte: " Ich hab den Aerger, wer er krank zuhause liegt, nicht Sie." Kann ich nachvollziehen.
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 11:53
von Friedrichvontelramund
Früher hieß es: Geh raus, spielen......Jetzt macht man ne Bewegung draus
Ich werde den/die Zwerge so erziehen wie ich auch aufgewachsen bin: Draußen! Ende
Glücklicherweise haben wir ein Krippe gefunden, die das alles recht normal sieht "Und wenns regnet, ziehen wir halt das Regenmäntelchen an"

Scheint ein Pluspunkt für Niederbayern zu sein, denn hier gibts diese Diskussion (noch) nicht!
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 11:57
von drullse
friedrichvontelramund hat geschrieben:Scheint ein Pluspunkt für Niederbayern zu sein, denn hier gibts diese Diskussion (noch) nicht!
Vermutlich ist das einfach noch nicht bis in die öden Weiten vorgedrungen...

Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 11:58
von Friedrichvontelramund
beeste hat geschrieben: Aber wie meinte eine Mutter zu mir nachdem ich mit den Jungs 2h Fussball im Schneeregen gespielt hatte: " Ich hab den Aerger, wer er krank zuhause liegt, nicht Sie." Kann ich nachvollziehen.
AAAAAARRRRRRRRGHHHHHHHHHHH: Warum soll man den nicht im Schneeregen darußen spielen. Danach gibts nen heißen Tee und ne Dusche und gut ist. Wenn das Immunsystem funktioniert, verpackt man das locker. Mei und wenn er krank ist, dann zieht er sich halt das nächste mal was Dickeres an. Diese Muttertiere machen mich irre

Soll er denn leiber drinnen sitzen und Playstation daddeln?
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 11:59
von Friedrichvontelramund
drullse hat geschrieben:friedrichvontelramund hat geschrieben:Scheint ein Pluspunkt für Niederbayern zu sein, denn hier gibts diese Diskussion (noch) nicht!
Vermutlich ist das einfach noch nicht bis in die öden Weiten vorgedrungen...

Eben: Der Hummel hat ja auch noch keiner gesagt, sie könne nicht fliegen

Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 12:27
von guido
Ist schon so. Die Kinder heute essen zuwenig Dreck (dafür industriell hergestellten Müll). Naja, die Alten haben auch einen an der Waffel. Wenn ich an all die 'bakterientötenden' Putzmittel denke... Wir hatten unsere Kartoffeln einfach in die Glut des Feuers geworfen, nachher das schwarze abgekrazt, lecker...
All die motorisch gestörten heute ? Naja, wenn ich nur zwischen Sofa und Esstisch verkehre, wundert's nicht. Wenn man in 4 Meter Höhe eine Baumhütte baut, muss man sich auf seine Reflexe verlassen können... Und schon im Kindergartenalter durch den Wald zu streiffen verhindert zuverlässig, gleich umzufallen nach einem kleinen Stolper...
Und all das Theater wegen ein bisschen Wasser/Wind/einem kleinen Schnittchen. Oh man oh man... Kürzlich wieder der Aufruf, sich gegen Tetanus impfen zu lassen. Jaja, denn wir hatten fast 100 Fälle in der Schweiz. In 30 (!) Jahren !!!
Darum werden heute die Kids ja auch in einem Panzer zur Schule gefahren. So passiert nichts und alle fühlen sich sicher. Ausser der kleine Guido nicht, weil die Tussi am Steuer ihrem Handy mehr Aufmerksamkeit schenkt, als dem radfahrendem Guido...
Und das fast grösste Problem: Probier' einer mal heutzutage einer Mutter zu erklären, dass es im Wald nicht gefährlich ist und man nicht gleich an einer Lungenentzündung stirbt, wenn man mal verregnet wird...
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 12:40
von beeste
guido hat geschrieben:Und das fast grösste Problem: Probier' einer mal heutzutage einer Mutter zu erklären, dass es im Wald nicht gefährlich ist und man nicht gleich an einer Lungenentzündung stirbt, wenn man mal verregnet wird...
"Ja, aber ich muss sie dann ins Krankenhaus fahren", so der Kommentar einer guten Bekannten, als ihre Tochter letztens oben auf der Schaukel rumkletterte.
"So, jetzt aber raus!" und "Geht ueber'n Deich!" waren so Standard-Sprueche meiner Eltern, als wir ins Grundschulalter kamen. Massgabe war, gegen sieben zuhause zu sein. Und das kann man auch als Kind ziemlich gut abschaetzen.
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 12:48
von PeterMUC
Ich bin neben einem Glockenturm aufgewachsen:
Zum 7 Uhr Läuten aufstehen
12 Uhr Läuten: Mittagessen
18 Uhr Läuten Abendessen
dazwischen hat mich keiner gesehen.
Ich sehe mich und meine Tochter am Samstag beim Kinderlauf wieder alleine da stehen, da die restlichen Eltern, die auch heute schon bei Wetteronline geschaut haben, bereits beschlossen haben, dann doch nicht zu kommen.
Ansonsten empfehle ich jetzt mal fuer Stadt-Eltern mit Superförderungs-Ambitionen das hier:
Hexenwasser
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 13:13
von Friedrichvontelramund
Was wollt ihr eigentlich: Ich habe mein erstes Auto im zarten Alter von 3 (!) Jahren geschrottet - Totalschaden
Bis heute weiß keiner, dass ich mit dem Rad immer vieeeelll weiter, als nur bis zur Kirche gefahren bin

Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 13:26
von Linus
beeste hat geschrieben:guido hat geschrieben:Und das fast grösste Problem: Probier' einer mal heutzutage einer Mutter zu erklären, dass es im Wald nicht gefährlich ist und man nicht gleich an einer Lungenentzündung stirbt, wenn man mal verregnet wird...
"Ja, aber ich muss sie dann ins Krankenhaus fahren", so der Kommentar einer guten Bekannten, als ihre Tochter letztens oben auf der Schaukel rumkletterte.
"So, jetzt aber raus!" und "Geht ueber'n Deich!" waren so Standard-Sprueche meiner Eltern, als wir ins Grundschulalter kamen. Massgabe war, gegen sieben zuhause zu sein. Und das kann man auch als Kind ziemlich gut abschaetzen.
Du hattest ja eine paradiesische Kindheit - ich mußte immer schon um sechs zu Hause sein.
Mit meinen älteren Kids war ich auch immer viel im Wald. Damals, als sie noch klein waren. 3-stündige Spaziergänge -natürlich abseits der Wege- zum Wildpark und zurück waren im Grundschulalter Standard - bei jedem Wetter. Zum Ende der Grundschulzeit habe ich sie dann auch dazu gebarcht, mit Freunden selbständig im Wald rumzudüsen. Richtig krank waren die nie.
Seit der Trennung ist damit Schluß, mein Sohn geht auf wie ein Hefekuchen und letztes Schuljahr hat jeder zusammenegrechnet drei bis vier Fehlwochen - immer tageweise wegen irgendwelcher Wehwehchen.
Aber ich gebe nicht auf - die zwei Jüngsten kriegen wir auch in den Wald. (Der zwejährige ist schon eifrig dabei)
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 13:46
von beeste
Linus hat geschrieben:Du hattest ja eine paradiesische Kindheit - ich mußte immer schon um sechs zu Hause sein.
Das ist wohl wahr. Aber da, wo wir damals rumgestreift sind, sind heute alles Neubaugebiete. Bis auf einen kleinen Rest, der jetzt zum Naturschutzgebiet erklaert worden ist. Das heisst, gut 4qkm bebautes Land. Immerhin mit "Spielplaetzen"...
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 07 Okt 2009 15:12
von Nils
Meine Söhne dürfen nur zu Hause Bücher lesen. Wenn sie krank werden, dann geben wir sie ab. Bei zu viel Lautstärke zu Hause wird der Fernseher angemacht oder sie gucken Rambo I-III auf DVD...meine Kinder sind schließlich ein Statussymbol, da ich mir keinen Porsche leisten konnte.
Ach ja:

Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 13 Okt 2009 12:51
von PeterMUC
Passt irgendwie auch noch in diesen fred:
"Das Babyschwimmen war wie immer eine Qual. Er war der einzige Mann unter acht Frauen, drei magersüchtig, fünf flusspferdig, aber alle guckten verklemmt. Sie steckten in gerüschten, getupften und gebatikten Monturen, die nur mit viel Phantasie als Badeanzüge zu erkennen waren.
Warum trugen eigentlich immer nur Frauen im Internet solche scharfen knappen Teile?"
http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 01,00.html
Herrlich finde ich !! (ich habe es in Teilen ähnlich erlebt damals)
Re: Für Eltern: Alternative zur Superförderungs-Erziehung
Verfasst: 14 Okt 2009 09:18
von tobi_nb
Ist eine interessante Diskussion, vor allem, weil sie mich auch bald betrifft.
Unabhängig davon, wie die Kinder heute sind, ich finde es nicht gut, von der eigenen Kindheit abzuleiten. Damals war damals und heute ist heute.
Die Gesellschaft entwickelt sich nunmal weiter. Wenn dem nicht so wäre, würden unsere Kinder heute bereits mit 4 in irgendeinem Tagebau schuften müssen, so wie die Kinder vor 300 Jahren.
Und die heutige Gesellschaft ist nunmal "digitalisiert". Ein Kind welches ohne Computererfahrung in die Schule kommt, kann ganz schnell zum Aussenseiter werden. Und wie Aussenseiter behandelt werden, brauch ich nicht zu schreiben. Ich war selbst einer...der Aussenseiter schikaniert hat.
Die heutige "Generation Kind" ist nunmal nicht mehr die Natur-Abenteuerer-Generation wie die von vor 30 Jahren. Ich finde das sollte man berücksichtigen bei der heutigen Kindererziehung.
So, soviel zum Pro der Förderungserziehung.
Da ich selbst 100% Freilandaufzucht (auf nem Dorf in der Zone am Rand des größten Truppenübungsplatzes der DDR war), und jetzt das Glück habe direkt am riesigen Müggelsee, -wald zu wohnen, wird mein Kind sowie es laufen kann irgendwo draussen abgesetzt, und kann zusehen, wie es den Weg nach Hause findet.
