Berufs-Lehrsystem in D

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Newbie
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Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Newbie »

ich lerne ja gerne etwas dazu und da mich Nils neulich auslachte als ich meinte, das schweizer Berufsschulsystem sei demjenigen der Deutschen überlegen lass ich mich gerne eines besseren belehren.

wie funktionert das bei Euch? Warum lernen so wenig Jugendliche eine Beruf sondern gehen weiterhin zur Schule und studieren?

in der Schweiz ist es üblich, einen Beruf zu lehren, diese Lehren gehen 3 - 4 Jahre, begleitend besucht man 1 - 2 Tage pro Woche eine Berufsschule und schliesst das dann mit der Lehrabschlussprüfung ab. Die Lehrverträge sind Dreiecksverträge, ausgestellt zwischen dem Lernenden, dem Lehrbetrieb und dem kantonalen Lehrlingsamt.

Anscheinend ist das bei Euch nicht so üblich resp. "normal" wie bei uns? Oder täuscht der Eindruck, dass es bei Euch mehr "Theoretiker als Praktiker" gibt?

oder warum wird immer wieder das Scheizer System als führend gelobt und erwähnt?
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Voldi
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Voldi »

Newbie hat geschrieben: oder warum wird immer wieder das Scheizer System als führend gelobt und erwähnt?
Also bei uns wird es das eigenartiger weise nie :pfeif

Ansonsten ist das Grundprinzip aber wohl ähnlich. Ausbildungsdauer liegt meist bei 3 Jahren, Berufsschule entweder jede woche einen oder zwei Tage oder "blöckeweise".

Studieren muss nicht unbedingt viel praxisentfernter sein solange man an der richtige FH ist (Uni ist sicher deutlich mehr Theorie-orientiert)
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Newbie
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Newbie »

http://de.wikipedia.org/wiki/Duale_Ausbildung

scheinen doch gewisse Unterschiede zu bestehen. hier bilden die meisten Betriebe Lehrlinge aus, in gewissen Berufen ist es sogar schwierig diese zu besetzen.

man hat sich auch schon überlegt, Betriebe ohne Lehrlingsausbildung mit einer Sondersteuer zu "bestrafen", da die Ausbildung oftmals viel Zeit und Nerven seitens der Betriebe beansprucht.
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Realdedo
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Realdedo »

Newbie hat geschrieben:http://de.wikipedia.org/wiki/Duale_Ausbildung

scheinen doch gewisse Unterschiede zu bestehen. hier bilden die meisten Betriebe Lehrlinge aus, in gewissen Berufen ist es sogar schwierig diese zu besetzen.

man hat sich auch schon überlegt, Betriebe ohne Lehrlingsausbildung mit einer Sondersteuer zu "bestrafen", da die Ausbildung oftmals viel Zeit und Nerven seitens der Betriebe beansprucht.

Das ist hier auch schon so das eine gewisse Verpflichtung zum Ausbilden besteht.
Ausbilden darf aber nicht jeder Betrieb, es müssen gewisse Vorgaben erfüllt sein.
Ich sag nur "Ausbildereignungsprüfung" = Grund für meinen Nichtstart bei der Challenge 09 :cry:
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Newbie »

http://www.zeit.de/2008/41/C-Bertelsmann

sooo gut schneiden die Deutschen in dem Bericht allerdings nicht ab :ditsch
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Realdedo »

Medallienspiegel:

1. Deutschland 3 4 2
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4. USA 2 2 4
5. Kanada 2 2 1
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Naja, wir können ja nicht überall vorne sein... :gut
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Nils
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Nils »

Newbie hat geschrieben: man hat sich auch schon überlegt, Betriebe ohne Lehrlingsausbildung mit einer Sondersteuer zu "bestrafen", da die Ausbildung oftmals viel Zeit und Nerven seitens der Betriebe beansprucht.
Das wurde in Deutschland auch diskutiert...

Zum Dualen System. Ich hab damals nur gelacht, weil viele ausländische Unternehmen/Politiker neidisch auf das deutsche Ausbildungssystem schauen.
Normale Ausbildungsberufe dauern 3 Jahre (wenige nur 2 Jahre). Unterricht ist entweder 2mal in der Woche oder in Blöcken, in denen ausschließlich Schule ist (z.B. 6 Wochen lang). Die Schüler lernen in den Betrieben die Praxis und in der Schule die Theorie+ Humankompetenz+Sozialkompetenz. Idealerweise werden die drei Dinge miteinander kombiniert. Dabei arbeitet man in der Schule mit sogenannten "Lernsituationen". Das heisst, dass diese nahe an der beruflichen Wirklichkeit angelegt sind, aber mit weiteren Dingen ausgearbeitet (z.B. wie reagiere ich bei der Warenannahme, wenn der LKW-Fahrer den Lieferschein nicht unterschreiben will). Dabei sollen die Schüler lernen, eigenständig an Probleme heranzugehen, zu analysieren, Zeitplan aufstellen, Lösungsmöglichkeiten diskutieren, die beste durchführen, präsentieren und am Ende darüber sprechen, ob es wirklich die beste Lösung war.
Die Schule ist für Bestehen der Prüfung nur "Gehilfe". Das heißt, dass wir keine Abschlussprüfung stellen. Dies macht die IHK (Industrie- und Handelskammer). Mit der schließen die Betriebe auch den "Vertrag" ab. Schüler können nicht sitzen bleiben.

Ich weiß gar nicht, wie es in der Schweiz abläuft.
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Nils
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Nils »

Newbie hat geschrieben:http://www.zeit.de/2008/41/C-Bertelsmann

sooo gut schneiden die Deutschen in dem Bericht allerdings nicht ab :ditsch
Wird wohl so stimmen. Das Problem ist, dass jedes Bundesland seine eigene Schulpolitik macht. Das heiß, dass in jedem Bundesland ein eigener Lehrplan besteht. Die Prüfungen sind aber deutschlandweit einheitlich.
Die Lehrpläne unterscheiden sich aber z.T. nur minimal (zu mindest bei Berufsschulen).

Meiner Meinung steht und fällt guter Unterricht sowieso mit dem einzelnen Lehrer. Mit dem System kann man sich auseinandersetzen, aber vom Prinzip her, macht der Lehrer ja sowieso was er für richtig hält. So lange er die Rahmenbedingungen einhält, kann da nicht viel passieren.
Jetzt ist nur noch die Frage, was guter Unterricht ist. Die Betriebe verstehen meistens Faktenwissensvermittlung darunter, die Schüler eine gute Prüfung und der Lehrer sieht es wieder anders (ich zu mindest).
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Anja
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Re: Berufs-Lehrsystem in D

Beitrag von Anja »

Nils hat geschrieben:
Newbie hat geschrieben:http://www.zeit.de/2008/41/C-Bertelsmann

sooo gut schneiden die Deutschen in dem Bericht allerdings nicht ab :ditsch
Wird wohl so stimmen. Das Problem ist, dass jedes Bundesland seine eigene Schulpolitik macht. Das heiß, dass in jedem Bundesland ein eigener Lehrplan besteht. Die Prüfungen sind aber deutschlandweit einheitlich.
Die Lehrpläne unterscheiden sich aber z.T. nur minimal (zu mindest bei Berufsschulen).

Meiner Meinung steht und fällt guter Unterricht sowieso mit dem einzelnen Lehrer. Mit dem System kann man sich auseinandersetzen, aber vom Prinzip her, macht der Lehrer ja sowieso was er für richtig hält. So lange er die Rahmenbedingungen einhält, kann da nicht viel passieren.
Jetzt ist nur noch die Frage, was guter Unterricht ist. Die Betriebe verstehen meistens Faktenwissensvermittlung darunter, die Schüler eine gute Prüfung und der Lehrer sieht es wieder anders (ich zu mindest).
Bei den Handwerkskammern sind die Prüfungen bundesweit sehr unterschiedlich. Da erwartet der Betrieb, daß der Azubi alles lernt, was er ihm nicht beibringen kann oder will (und noch viel mehr), daß er da nur wenig hin muß (weil er dann ja im Betrieb fehlt). Zumindest ist es leider oft so.

Hier in D machen meines Erachtens auch noch viele eine Ausbildung - und nahezu alle, die kein Abitur haben, müssen ja auch diesen Weg wählen. Die Handwerksbetriebe benötigen auch keine Akademiker und sie wollen auch selten Abiturienten, weil dann ja der Lehrling einen höheren Abschluß hätte als sie selbst. Umgekehrt besteht jedoch wohl schon die Tendenz, daß immer mehr Schüler versuchen auf jeden Fall Abitur zu haben und dann irgendwas zu studieren. Die Hauptschulen werden weniger, abgeschafft, umbenannt etc. Die Schüler gibt es natürlich weiterhin, die zu schwach für Realschule oder Gymnasium sind.

In den Büro- und Verwaltungsberufen landen immer mehr Abiturienten (früher Leute mit mittlerer Reie) - in med. Berufen etc. jetzt die Realschüler, wo früher Hauptschüler überwogen. In den einfacheren Berufen sammelt sich der Rest.

Ein weites Feld!

Anja
06.05.2012 Caldera Blanca
12.10.2014 - München Marathon * 12.07.2015 - Challenge Roth * 27.09.2015 - Berlin Marathon *
25.09.2016 - Berlin Marathon * 27. - 30.11.2016 Lanzarote Running Challenge * 10.12.2016 Lanzarote Marathon * 09.07.2017 Challenge Roth
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