Ritalin

Alles was du hier postest, kann und wird gegen dich verwendet werden.

Moderator: Moderator

Benutzeravatar
Anja
S(up)portlerin
Beiträge: 16165
Registriert: 28 Jun 2004 12:00
Kontaktdaten:

Ritalin

Beitrag von Anja »

Ritalin ist wie Equasym oder Medikinet ein Medikament mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Dieser Wirkstoff wird ebenso wie der Wirkstoff DL-Amphetamin zur Therapie des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) verwendet. Begriffe wie Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) oder Hyperkinetische Störung (HKS) sind weitgehend synonym zu sehen. Umgangsprachlich wird auch vom Zappelphilippsyndrom gesprochen.

Dieses Medikament fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, kann also nur von Ärzten auf speziellen Rezepten und unter besonderer Kontrolle verordnet werden.

ADS (ich verwende den Begriff, da die Aufmerksamkeitsstörung zentral ist, die Hyperaktivität nur fakulativ auftritt). Es gibt somit neben den Wirbelwinden auch Traumtänzer.

Letztere müssen sicher nicht "ruhig gestellt" werden, dennoch hilft auch ihnen das Medikament Ritalin sich besser zu konzentrieren und offen und aufnahmefähig zu sein für andere Therapien, die immer zusätzlich erfolgen müssen. Dies sind z. B. exakte Aufklärung, Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Entspannungsverfahren und Psychomotorik, besondere Regeln in der Erziehung, aber auch z. B. Sport. Auch muß das Umfeld entsprechend geschult werden um mit dem ADS-Kind klarzukommen.

Es geht nicht um ein Ändern oder Ruhigstellen der Kinder, es geht darum ihnen die gleichen Möglichkeiten zu eröffnen, die sie ohne ADS hätten.

Warum überhaupt ein Medikament? Bei vielen Kindern, bei denen ADS nicht sehr ausgeprägt ist, reichen andere Therapien und konsequente Erziehung, Regeln und Strukturen, bei manchen reicht es nicht.

ADS ist nicht Folge von Vernachlässigung, schlechter Erziehung, zuviel Süßigkeiten, zu wenig Bewegung oder Störungen während Schwangerschaft und Geburt. Sie können jedoch bestehende Symptome, die durch eine Störung des Hirnstoffwechsels ausgelöst wurden, verschlechtern. Zudem wird Verhalten auch in der Familie gelernt und nicht selten ist ein Elternteil ebenfalls von der Störung betroffen bzw. es hat sich ein negative Verhaltensspirale in der Familie aufgebaut.

Es gibt Störungsbilder die sich ähnlich äußern wie ADS, aber kein echtes ADS sind. Es wäre völliger Unsinn, diese mit Ritalin zu therapieren. Beim echten ADS wirkt der Wirktstoff regulierend im Gehirn und schafft so die Basis für andere Therapien. Falsch eingesetzt würde das Medikament dazu führen, daß die Kinder völlig unruhig und aufgedreht wären.

Ja, Medikamente haben Nebenwirkungen. Ohne Nebenwirkung keine Wirkung. Das ist leider bei Medikamenten so. Über Jahrzehnte haben sich jedoch keine Langzeitschädigungen feststellen lassen. Das Medikament muß in den seltensten Fällen lebenslang genommen werden. Die Erforschung und Therapie des ADS im Erwachsenenalter ist noch sehr in den Anfängen. Viele Probleme verschwinden jedoch im Erwachsenenalter, da sich die Jugendlichen (mit entsprechender Hilfe) Strategien aneignen können mit ihrem Problemen zurecht zu kommen bzw. sich Wege suchen ihnen aus dem Weg zu gehen. Ein ehemaliger extrem hyperaktiver Jugendlicher wird sich sicher keinen Schreibtischjob suchen, bei dem er 8 Stunden still sitzen müßte.

Grundlage für eine Therapie ist eine möglichst genaue Diagnose. Dazu ist eine umfangreiche Diagnostik nötig, die in Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen und im Idealfall Sozialpädagogen erfolgen sollte, da es leider keinen Test gibt, der mittels einer Untersuchung ein konkretes Ergebnis liefert.

ADS ist definitiv keine Erkrankung, die es jetzt erst gibt. Es gibt kein exakteres Beispiel als den Zappelphilipp, den Hofmann 1845 geschrieben hat sowie weitere Beispiel verteilt über die letzten Jahrhunderte. Durch veränderte (im Sinne von lockereren) Erziehungsmodellen, weniger echter Freizeit und Bewegung treten diese Störungen jetzt jedoch deutlicher auf.

Ich bin absolut gegen Ärzte, die vorschnell Tabletten verschreiben. Ich bin absolut dagegen, wenn Eltern denken, daß eine Tablette ihr Kind dauerhaft verändert ohne daß die ganze Familie mit dem Kind an den Problemen arbeitet. Ich weiß, daß durch Ritalin Kinder nicht zu Einser-Schülern werden und auch das sollten alle Eltern erfahren.

Das wichtigste ist vor allem, daß kein ADS-Kind wie das andere ist. Hier ist genauso wichtig jedes Kind so individuell zu sehen wie es ist, wie alle Kinder. Es gibt sogar Kinder, die in der Schule vor allem zappeln, zu Hause jedoch mehr träumen oder umgekehrt - macht die Diagnose und das Verständnis der Umwelt oft nicht einfacher.

Bei einem echten ADS-Kind wäre es jedoch absolute Vernachlässigung, wenn man ihm nicht alle Chancen geben würde, wenn man ständige Verletzungen, soziale Ausgrenzung etc. in Kauf nimmt, nur um keine Medikamente zu geben oder nicht zur Psychotherapie gehen zu müssen. Niemand würde bei einem Diabetiker überlegen, ob man ihm Insulin geben sollte oder einem Herzkranken die entsprechenden Tabletten.

Nur weil es Menschen gibt, die unverantwortlich und leichtfertig damit umgehen, sich die Geschichten teilweise auf auf vor 40 Jahren beziehen, wo Ritalin frei verkäuflich war und auch als Drogenersatzstoff konsumiert wurde, wegen sowas dürfen heute nicht Eltern und ihre Kinder verurteilt werden, die eine ernstzunehmende Störung behandeln wollen.

Was das Thema ADS so schwierig macht ist vor allem wohl eines: Das Störungsbild ist komplex, als Ursache sollte ein Bio-Psycho-Soziales Modell zu Grunde gelegt werden, das alle Ursachen integriert und es sollte nach einer umfangreichen multidisziplinären Diagnose auch eine multimodale Therpie erfolgen, die wiederum durch diverse Fachleute begleitet wird.

Ich weiß, daß das jetzt nur ein kurzer Abriß war. Wenn es noch Fragen gibt, ich werde alles dran setzen, sie zu beantworten.

Anja (bei der auch das Copyright für diesen Text liegt)
vb_man
Rote Socken Emu
Beiträge: 19695
Registriert: 21 Nov 2004 12:00

Beitrag von vb_man »

so wie Du formulierst, gehe ich mal davon aus, das Du Dich mit diesem Thema sehr intensiv befasst hast.

Mein gesunder Menschenverstand und mein Bauchgefühl sagt mir, das Medikamente, welche persönlichkeitsverändernd wirken, etwas sehr Heikeles sind.

Ich habe in der Zwischenzeit aus ein wenig gegoogelt und habe den Eindruck, das manche Eltern Ritalin als eine Art Allzweckwaffe einsetzten, wo mehr Zuwendung für die Kinder wohl angemessener wäre.

Ob es eine sinnvolle Therapie kann ich nicht beurteilen, bin kein Mediziner. Aber verantwortungslos eingesetzt kann das Medikament sicher mehr schaden wie nützen.

Vielleicht ist das ja der Zeitgeist. Man setzt sich mit den Kindern nicht mehr auseinander. Wozu gibt es schließlich Playstation, Viva, McDonald und wenn´s nicht so gut läuft die entsprechenden Medikamente?

Manchmal bin ich froh keine Kinder zu haben weil ich keine Ahnung habe wie man es wirklich besser machen könnte.
powermanpapa
Eiermann U6 Emu
Beiträge: 3410
Registriert: 28 Jun 2004 12:00

Beitrag von powermanpapa »

Andreas, du hast es gut formuliert, viel besser als wenn ich am Sonntag meine Meinung dazu geschrieben hätte---ich wollte---aber dann musste ich weg und das war auch gut so

Genau so ist meine Meinung zu den "Eltern" die ich kenne und die ihren Kindern diese Drogen verabreichen
Benutzeravatar
armin
Labor Emu
Beiträge: 3223
Registriert: 25 Okt 2004 12:00
Wohnort: Newark, DE, USA

Beitrag von armin »

vb_man hat geschrieben:so wie Du formulierst, gehe ich mal davon aus, das Du Dich mit diesem Thema sehr intensiv befasst hast.

Mein gesunder Menschenverstand und mein Bauchgefühl sagt mir, das Medikamente, welche persönlichkeitsverändernd wirken, etwas sehr Heikeles sind.

Ich habe in der Zwischenzeit aus ein wenig gegoogelt und habe den Eindruck, das manche Eltern Ritalin als eine Art Allzweckwaffe einsetzten, wo mehr Zuwendung für die Kinder wohl angemessener wäre.

Ob es eine sinnvolle Therapie kann ich nicht beurteilen, bin kein Mediziner. Aber verantwortungslos eingesetzt kann das Medikament sicher mehr schaden wie nützen.

Vielleicht ist das ja der Zeitgeist. Man setzt sich mit den Kindern nicht mehr auseinander. Wozu gibt es schließlich Playstation, Viva, McDonald und wenn´s nicht so gut läuft die entsprechenden Medikamente?

Manchmal bin ich froh keine Kinder zu haben weil ich keine Ahnung habe wie man es wirklich besser machen könnte.


Sehr gut ausgedrueckt! Kann mich Deiner Meinung nur anschliessen!
Bigfoot
emulucion Emu
Beiträge: 8006
Registriert: 26 Jun 2004 12:00

Beitrag von Bigfoot »

ich wäre vorsichtig Ritalin von vornherein als Droge abzutun. Zwar wirkt es persönlichkeitsverändernd, dennoch weiß ich von genügend Schülern, die ohne das Medikament nicht die Möglichkeit hätten an einem gewöhnlichen Schulunterricht teilzunehmen. Vermutlich ist die Zahl der Kinder, die Ritalin nehmen, damit sie einfach die gleichen Chancen haben, wie andere "normale" Kinder viel grösser als die Zahl der Kinder, welche Ritalin nehmen, weil die Eltern dann bessere schulische Leistungen erwarten.

Ich kenne einige Berichte von Lehrern an Hauptschulen, die sagen, wie sich Kinder benehmen, wenn sie Ritalin mal nicht genommen haben. Selbst erfahrene und gute Lehrer schaffen es dann nicht ( auch nicht mit Autorität) die Kinder einigermaßen ruhig zu halten.
Teilweise führt das dann auch zu aggressiven Verhalten gegen sich und andere, ohne dass daran eine falsche Erziehung schuld wäre.

Wenn Ritalin es also einem Schüler überhaupt erst ermöglicht an einem normalen Schulbetrieb oder an gewöhnlichem sozialen Veranstaltungen teilzuhaben, dann soll er es bitte nehmen. Dieser Fall dürfte in meinen Augen den grössten Teil der Betroffenen darstellen.

Wenn allerdings das Medikament den Kindern nur verabreicht wird, um sie ruhig zu stellen, oder weil man bessere schulische Leistungen erwartet, dann ist es fehl am Platz.
Also ich seh das anders.
Benutzeravatar
wehaka
100km Emu
Beiträge: 6177
Registriert: 18 Jun 2004 12:00

Beitrag von wehaka »

Bigfoot hat geschrieben:Ich kenne einige Berichte von Lehrern an Hauptschulen, die sagen, wie sich Kinder benehmen, wenn sie Ritalin mal nicht genommen haben. Selbst erfahrene und gute Lehrer schaffen es dann nicht ( auch nicht mit Autorität) die Kinder einigermaßen ruhig zu halten.
Teilweise führt das dann auch zu aggressiven Verhalten gegen sich und andere, ohne dass daran eine falsche Erziehung schuld wäre.

Warum denn an Hautpschulen? Und nicht an Gymnasien?
Warum ist das Aggressionspotential an Hauptschulen größer? Ich kann´s nicht beweisen, aber ich rate halt mal: hier werden soziale Probleme pharmakologisch "gelöst". :twisted:
Spannend wäre z.B. wie sich die Einnahme auf die verschiedenen Schultypen verteilt. Die einen nehmen es, um Prüfungsängste und Konkurrenzdruck zu bewältigen, die anderen zum Aggressionsabbau... klasse.
Aber ich rate nur, vielleicht weiß Anja ja konkreteres...
Bigfoot
emulucion Emu
Beiträge: 8006
Registriert: 26 Jun 2004 12:00

Beitrag von Bigfoot »

das ist kein soziales Problem. Und es hat nichts damit zu tun an welcher Schule es war. Meine Verwandtschaft arbeitet an einer Hauptschule, also kenne ich berichte von dort.
Also ich seh das anders.
Benutzeravatar
wehaka
100km Emu
Beiträge: 6177
Registriert: 18 Jun 2004 12:00

Beitrag von wehaka »

Bigfoot hat geschrieben:das ist kein soziales Problem. Und es hat nichts damit zu tun an welcher Schule es war. Meine Verwandtschaft arbeitet an einer Hauptschule, also kenne ich berichte von dort.

Was aber nicht ausschließt, dass es soziale Probleme sind.

Mal anders gefragt: ich habe vor über 20 Jahren mein Abitur gemacht. Ich kann´s nicht ausschließen, aber mir ist nie was bekannt geworden davon, dass Mitschüler regelmäßig Medikamente genommen haben.
Warum?
Wird heute allgemein leichtfertiger mit Medikamenten umgegangen?
powermanpapa
Eiermann U6 Emu
Beiträge: 3410
Registriert: 28 Jun 2004 12:00

Beitrag von powermanpapa »

In der Schule in der meine Kinder für jeweils 3 Jahre waren, wurden mindestens 20 % der Jungen mit Ritalin behandelt

Ich frage mich wirklich---WARUM und weshalb erst seit ein paar Jahren, waren die Kinder früher anders oder sind die dann einfach auf der Strecke geblieben und die Sozialhilfeempfänger von heute?

Vielleicht sollte ich meinen Kindern auch Ritalin geben, bekommen würde ich es ganz leicht ---bei meinem großen hats die Kindergärtnerin empfohlen bei meinem kleinen seine Schullehrerin

Habe ich vielleicht alles falsch gemacht? verbaue ich meinen Kindern die Zukunft die sie mit Ritalin hätten?
Benutzeravatar
armin
Labor Emu
Beiträge: 3223
Registriert: 25 Okt 2004 12:00
Wohnort: Newark, DE, USA

Beitrag von armin »

powermanpapa hat geschrieben:In der Schule in der meine Kinder für jeweils 3 Jahre waren, wurden mindestens 20 % der Jungen mit Ritalin behandelt

Ich frage mich wirklich---WARUM und weshalb erst seit ein paar Jahren, waren die Kinder früher anders oder sind die dann einfach auf der Strecke geblieben und die Sozialhilfeempfänger von heute?

Vielleicht sollte ich meinen Kindern auch Ritalin geben, bekommen würde ich es ganz leicht ---bei meinem großen hats die Kindergärtnerin empfohlen bei meinem kleinen seine Schullehrerin

Habe ich vielleicht alles falsch gemacht? verbaue ich meinen Kindern die Zukunft die sie mit Ritalin hätten?


MOMENT, da EMPFEHLEN Lehrer, dass Schueler das Zeug nehmen sollen? Das ist ja schlimm! :(
Benutzeravatar
Anja
S(up)portlerin
Beiträge: 16165
Registriert: 28 Jun 2004 12:00
Kontaktdaten:

Beitrag von Anja »

Das schöne ist ja, daß die empfehlen können, so lang sie wollen, das ändert ja erstmal nix. Die können auch empfehlen, daß die Eltern die Kinder schlagen oder aussetzen oder vernünftig erziehen sollen.

Das ändert ja erstmal nix an dem, was Eltern tun. Und nur weil ein Lehrer was empfiehlt (eine so konkrete Empfehlung halte ich eh für verwerflich) muß man es ja noch lang nicht tun und nur deshalb wird auch kein Arzt das verordnen.

Anja
Benutzeravatar
wehaka
100km Emu
Beiträge: 6177
Registriert: 18 Jun 2004 12:00

Beitrag von wehaka »

powermanpapa hat geschrieben:Ich frage mich wirklich---WARUM und weshalb erst seit ein paar Jahren, waren die Kinder früher anders oder sind die dann einfach auf der Strecke geblieben und die Sozialhilfeempfänger von heute?

Die Kinder früher waren schon anders. Ich war früher den ganzen Tag unterwegs. Auch in Vorschulzeiten. Ich war nicht im Kindergarten, morgens war ich unterwegs, kam zum Mittagessen und war dann wieder weg bis abends. Da hatte ich genug Bewegung und Möglichkeiten, mich auszutoben.
Bei deinen Jungs scheints doch ähnlich zu sein.
Die Kinder, die ich heute kenne, gehen nirgendwo alleine hin. Werden von ihren Eltern gefahren oder bleiben daheim. Da gibts dann TV, PCs, Videospiele... kein Wunder, dass da Energie übrig bleibt, die, da sie nicht ausgelebt werden kann, beruhigt werden muss.
Benutzeravatar
Anja
S(up)portlerin
Beiträge: 16165
Registriert: 28 Jun 2004 12:00
Kontaktdaten:

Beitrag von Anja »

wehaka hat geschrieben:
Bigfoot hat geschrieben:Ich kenne einige Berichte von Lehrern an Hauptschulen, die sagen, wie sich Kinder benehmen, wenn sie Ritalin mal nicht genommen haben. Selbst erfahrene und gute Lehrer schaffen es dann nicht ( auch nicht mit Autorität) die Kinder einigermaßen ruhig zu halten.
Teilweise führt das dann auch zu aggressiven Verhalten gegen sich und andere, ohne dass daran eine falsche Erziehung schuld wäre.

Warum denn an Hautpschulen? Und nicht an Gymnasien?
Warum ist das Aggressionspotential an Hauptschulen größer? Ich kann´s nicht beweisen, aber ich rate halt mal: hier werden soziale Probleme pharmakologisch "gelöst". :twisted:
Spannend wäre z.B. wie sich die Einnahme auf die verschiedenen Schultypen verteilt. Die einen nehmen es, um Prüfungsängste und Konkurrenzdruck zu bewältigen, die anderen zum Aggressionsabbau... klasse.
Aber ich rate nur, vielleicht weiß Anja ja konkreteres...


Meines Wissen quer durch alle Schultypen gleichmäßig verteilt, wenn die Einnahme schon frühzeitg erfolgte. Die Häufung in der Hauptschule ist nur dadurch zu erklären, daß die Kinder durch das ADS in der Grundschule ihr Potential nicht entfalten konnten und dadurch nicht in der Lage waren die Leistungen, die für eine weiterführende Schule nötig waren, zu erbringen.

Ritalin hilft nicht gegen Prüfungsängste, Konkurrenzdruck oder Aggressionsabbau!

Das erhöhte Aggressionspotential in Hauptschulen ist eindeutig ein soziales Problem.

Vor 20 Jahren fielen Kinder mit derartigen Problemen oft einfach durchs Raster, ja. In den letzten 20 Jahren hat die Wissenschaft auch in Deutschland zum Glück entdeckt, daß nicht jeder schwache oder nervige Schüler faul und unerzogen ist, sondern daß viele gerne wollten, aber nicht können.

Zudem ist natürlich nicht wegzuleugnen, daß sich Rahmenbedingungen für Kinder verschlechtert haben, die Wasser auf den Mühlen von ADS oder auch von Antisozialem Verhalten ist: weniger verläßliche Zeitstrukturen in Familien, weniger Bewegung etc.

Anja

Anja
Benutzeravatar
armin
Labor Emu
Beiträge: 3223
Registriert: 25 Okt 2004 12:00
Wohnort: Newark, DE, USA

Beitrag von armin »

Anja hat geschrieben:Das schöne ist ja, daß die empfehlen können, so lang sie wollen, das ändert ja erstmal nix. Die können auch empfehlen, daß die Eltern die Kinder schlagen oder aussetzen oder vernünftig erziehen sollen.

Das ändert ja erstmal nix an dem, was Eltern tun. Und nur weil ein Lehrer was empfiehlt (eine so konkrete Empfehlung halte ich eh für verwerflich) muß man es ja noch lang nicht tun und nur deshalb wird auch kein Arzt das verordnen.

Anja


Das sehe ich ein. Das einzige was mich daran stoert, dass ein Lehrer sowas empfiehlt, ist die Tatsache, dass der Lehrer ja zumindest ein bisschen die Person mit know-how sein soll. Wenn also Eltern die Empfehlung bekommen, dann schlucken die das womoeglich ohne darueber nachzudenken und gehen zum Arzt. Wenn der Arzt dann von den Eltern auf ewig genervt wird, dann gibt er ihnen das Zeug irgendwann einfach.
Zugegeben, das mag vielleicht nicht die Regel sein, vorkommen tut es aber vielleicht schon. Und DAS ist gefaehrlich!
Benutzeravatar
Ulfila
Mit Faris zu Taco-Bell Geher
Beiträge: 5097
Registriert: 18 Jun 2004 12:00
Wohnort: Über den Fluß und in die Wälder
Kontaktdaten:

Beitrag von Ulfila »

armin hat geschrieben:Das sehe ich ein. Das einzige was mich daran stoert, dass ein Lehrer sowas empfiehlt, ist die Tatsache, dass der Lehrer ja zumindest ein bisschen die Person mit know-how sein soll. Wenn also Eltern die Empfehlung bekommen, dann schlucken die das womoeglich ohne darueber nachzudenken und gehen zum Arzt. Wenn der Arzt dann von den Eltern auf ewig genervt wird, dann gibt er ihnen das Zeug irgendwann einfach.
Zugegeben, das mag vielleicht nicht die Regel sein, vorkommen tut es aber vielleicht schon. Und DAS ist gefaehrlich!


Ritalin ist als Medikamt sicher sinnvoll, aber die Verschreibungspraxis der Ärzte in den USA und auch Deutschland ist es nicht. Ich habe mal einen Report über die Ritalin-Kinder in den USA gesehen, was schon erschreckend war. Dieses Medikament ist schon ein Lifestyle-Produkt geworden (ähnlich wie Prozak). Jedenfalls ist die Quote Ritalin schluckender Kinder in den USA sehr viel höher als die Quote von Kindern die tatsächlich unter dem ADS-Symptom leiden, was einen schon nachdenklich stimmen sollte.
Jeder Mensch ist ein Künstler. (Beuys)
Jeder Mensch ist ein Emu. (Ulfila)
Antworten