Meine Güte, was für eine abgedroschene Plattitüdensammlung! Keine der obigen Aussagen hält auch nur im Geringsten einer Überprüfung stand. Es handelt sich um reinen Populismus. Selbst als unbedarfte Meinungsäußerung (anstelle einer belegbaren Erkenntnis) geht der erste Absatz nicht durch, da er sich selbst widerspricht. Billiger geht’s kaum.keko hat geschrieben:"Die reichsten Bevölkerungen seien in den letzten zwanzig Jahren immer biederer, lustfeindlicher und prüder geworden. Als Hauptschuldige nennt er neoliberale Ökonomie und postmoderne Ideologie. Sie hätten die Menschen um den Genuss elementarer Lebensqualitäten gebracht: volle Bürgerrechte, soziale Absicherung, Charme, Höflichkeit, Großzügigkeit, um nur einige zu nennen. Und was gibt es stattdessen? Sicherheit, Gesundheit und Kosteneffizienz."
"Wir würden vom Kulturkapitalismus beherrscht, das Leben werde nicht gelebt, sondern häppchenweise konsumiert, der Alltag weichgespült: Alles ist heute „ohne“, „Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol, Cola ohne Kalorien, Schlagobers ohne Fett, Sex ohne Körperkontakt, Religion ohne Leidenschaft“. Dass wir uns diese Reduzierung des Lebens als Gewinn verkaufen lassen, sollte zu denken geben."
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Die Aneinanderreihung von Klischees im zweiten Absatz sollte uns nach Überzeugung des Verfassers "zu denken geben". Folgt man dieser Empfehlung, gelangt man selbst als geistiger Fußgänger in einer Zehntelsekunde zu der Einsicht, dass von den kolportierten Beobachtungen mit gleicher Berechtigung das Gegenteil wahr ist:
"... das Leben werde nicht gelebt (?), sondern am Stück verschlungen, im Alltag gibt es immer nur hardcore: Alles ist übersteigert, alles ist heute ’mit’, Limo mit Bier, RedBull mit Wodka, Riesenschnitzel und All-you-can-eat, Pornographie statt Erotik, Fundamentalismus statt suchende Religiösität. Dass wir uns diese Überfrachtung des Lebens als Gewinn verkaufen lassen, sollte zu denken geben".
Solcherlei intellektuelle Unredlichkeit tummelt sich überall dort, wo sich Fragen in den Raum stellen lassen, auf die es keine Antwort gibt und keine Antwort geben kann. Fragen wie "Was ist der Sinn des Lebens?" oder "wofür lohnt es sich zu leben?" stehen auf einer Stufe mit Fragen wie "Warum sind Einhörner innen hohl?". Dass abstrakte Kategorien wie Sinn, Gut und Böse etc. keinen Inhalt haben, ist in der Ratgeberliteratur noch nicht angekommen. Ist die Spezies Homo sapiens gut oder böse? Hat das Leben einen Sinn? Das sind Fragen nach Dingen oder Eigenschaften, die nicht existieren.
Grüße,
Arne