Heute musste eine meiner Lieblingskolleginnen gehen.
Es war schlimm.
Sie hatte Tränen in den Augen und ich war nur unglaublich wütend.
Sie hat leider noch keinen neuen Job, aber bei einer Kündigungsfrist von zwei Monaten, kann man das nicht erwarten.
Es tat mir so unglaublich Leid, weil sie es noch nie leicht hatte.
Sie kommt aus Sibirien und durfte hier gleich mal erleben, wie man mit den ausländischen Fachkräften umgeht.
Beim ersten Job hat sie unglaublich 6€ die Stunde bekommen.
Man sagte ihr bei der Arbeitsagentur, dass sie als Putzfrau arbeiten könnten und nicht damit rechnen soll, hier einen anderen Job zu finden.
Sie ist Chemieingenieurin....ihr Studium ist hier auch anerkannt.
Leider bedeutet das nicht, dass man ihr verantwortungsvolle Arbeiten zu getraut hat.
Unser Studium ist natürlich viel besser, als im Ausland. Ihr Bruder ist Arzt und hatte auch Probleme hier.
Dabei dachte ich immer uns fehlen Ärzte.
Meine Kollegin hat uns Geschichten erzählt, die kannte ich nur von meiner Oma nach dem Krieg.
Sie hatten nichts und mussten sich für Lebensmittel anstellen.
Ein Mal hatte sie sich für Eier angestellt und dann gehört, dass es im anderen Laden Brot gibt.
Dort ist sie hin kam, waren schon ganz viele Leute dort. Die Menge schob und zerquetschte ihre Eier.
Sie hat geweint.
Sie hat uns auch erzählt, wie man auf den Balkon Sauerkraut selbst macht.
Als ich sie heute zum Abschied drücke, fragte sie mich, warum es manchmal so schwer ist im Leben.
Sie möchte doch nur Arbeiten.
Ich habe ihr gesagt, dass ich leider auch nicht weiß, warum manche Menschen so geschmeidig durchs Leben rutschten und es für andere immer harte Arbeit ist.
Sie wird mir ganz fürchterlich fehlen, weil ihre Erzählungen immer ganz oft gezeigt hat, wie gut e uns geht.
Ein schwerer Tag für uns.
