Ich hatte das Beispiel, glaube ich, schon mal erwähnt: Wir gehen z.B. wie selbstverständlich davon aus, dass die Arbeitgeber Organisationen sind die uns Arbeitnehmern Arbeit geben. Daraus hat sich sprachlich und real eine Asymmetrie ergeben, in der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber irgendwie untergeordnet sind. Dabei geht es gedanklich doch auch genau anders herum: Wir geben Organisationen Arbeit, sind Arbeitgeber, die Organisationen sind Arbeitnehmer, die unsere Arbeit empfangen. Das verändert unser Denken und in der Folge auch unser Handeln. Wir können das seit etwa 10 Jahren auch gut beobachten, dort wo sich der Arbeitsmarkt zu einem Engpass für bestimmte Professionen entwickelt hat.
Sprache ist gesellschaftlich also hoch relevant.
Das stimmt vollkommen!
Mein Einwand ist aber dahingehend, dass man letztendlich große Teile der Sprache hinterfragen und ändern müsste.
Bezüglich Bürger*innen: kann man stattdessen nicht einfach erwarten, dass man unter Bürgern männlich, weilbliche und sonstige sich vorstellt? Ist das nicht der gangbarere Weg?
Cogi Tatum hat geschrieben:...Bitte - BITTE - sag mir, dass das nicht echt ist.
Du musst jetzt gaaaanz stark sein.
Es ist echt und es ist ein Antrag, den die junge SPD bereits Ende November 2020 auf dem Juso-Bundeskongress bestätigt hatte.
Klick: https://juso-buko.de/app/uploads/pdf//G ... attung.pdf
Einmal mehr beruhigen mich solche Dinge, zeigen Sie doch, dass wir in diesem Land keine echten Probleme (mehr) haben.
Unwählbar machen sich Parteien damit für mich trotzdem. Und langsam wird es eng. Die Grünen haben sich für mich komplett ins Aus geschossen, die anderen Parteien folgen dem gerade artig.
Am Ende wird es dann wohl wieder die Kleingartenpartei oder etwas Ähnliches werden. Irgendwo schon frustrierend.
captainbeefheart hat geschrieben:
Begriffe schaffen reale Wirklichkeit und die reale Wirklichkeit schafft Begriffe. Sprache lebt, so wie wir und unsere von uns produzierte Kultur.
Ich hatte das Beispiel, glaube ich, schon mal erwähnt: Wir gehen z.B. wie selbstverständlich davon aus, dass die Arbeitgeber Organisationen sind die uns Arbeitnehmern Arbeit geben...
Sprache ist gesellschaftlich also hoch relevant.
Bleibt die Frage wem es obliegen soll Sprache in die eine oder andere Richtung zu verändern?
Den Redakteuren in den TV-Sendern und in den Redaktionen von Zeit, Spiegel, Süddeutscher, etc., den Politikern,
oder vielleicht den Betroffenen?
Beim Beispiel der Arbeitnehmer bleibend, die vielleicht doch Arbeitgeber sind (oder auch nicht):
Die Interessenvertretungen der *grübel* abhängig Beschäftigten, die Gewerkschaften verwenden vermutlich durchgängig den Begriff "Arbeitnehmer" für die Empfänger von Lohn und Gehalt.
Da kann ich mich als Journalist oder Sprachwissenschaftler*in, als Forschende natürlich auf die lange Reise machen und versuchen einen Begriff umzudeuten. Die Frage ist, wen nehme ich dadurch mit oder hole ihn ab und wo trage ich zu Verständigungsschwierigkeiten durch Schaffung von "Neusprech" bei?
PS: Das Beispiel mit den Arbeitnehmern gefällt mir in dem Zusammenhang sehr gut...denn die Arbeitnehmer (in der alten BRD) sollten ja schon einmal von Dritten "befreit" werden.
Kleiner Blick zurück: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 21565.html
Sprache verändert sich, das ist kein Anordnungsobjekt. Nur in bestimmten Institutionen folgt einer - bereits erfolgten - Veränderung manchmal auch noch eine institutionelle Anordnung.
Impulse dazu kommen von allen Dir genannten Gruppen, ob diese Impulse "berechtigte" oder "unberechtigte" Anliegen widerspiegeln, hängt in der Interpretation vom eigenen Weltbild ab, wie wir in dieser Diskussion sehen. Es passiert. Einfach so. Das ist lol oder mega oder krass oder okidoki oder geht gar nicht.
Andrick schreibt dazu: Sprache ist die Tapete unseres gesellschaftlichen Wohnzimmers.
captainbeefheart hat geschrieben:Ich find das bildlich ganz cool: Kannst ja für Dich umtapezieren :-)
Genau DAS ist das Problem: mir wollen Menschen ds Zimmer tapezieren, die lautstark erklären, "DAS MUSS SO SEIN!!!!" ohne dafür jedoch eine - für mich - ausreichende Legitimation zu haben. IKch kann es zwar jeden Abend überzustreichen, was diese Leute mir da an die Wand kleben aber am nächsten Tag wird wieder geklebt. Bei meinen Nachbarn ebenso und nur ein Bruchteil der Menschen will das wirklich.
captainbeefheart hat geschrieben:Ich find das bildlich ganz cool: Kannst ja für Dich umtapezieren :-)
Genau DAS ist das Problem: mir wollen Menschen ds Zimmer tapezieren, die lautstark erklären, "DAS MUSS SO SEIN!!!!" ohne dafür jedoch eine - für mich - ausreichende Legitimation zu haben. IKch kann es zwar jeden Abend überzustreichen, was diese Leute mir da an die Wand kleben aber am nächsten Tag wird wieder geklebt. Bei meinen Nachbarn ebenso und nur ein Bruchteil der Menschen will das wirklich.
Wenn Du sowas cool findest - ok. Ich nicht.
Nun ja, in meine Wohnung muss ich doch nicht jeden reinlassen und selbst wenn, dann muss ich die Hässlichkeit der Tapete nicht an mich ranlassen(um im Bild zu bleiben). Das entscheide ich doch für mich. Konkret: Wenn Dir Menschen eine Sprache, oder weiter gefasst, eine Art zu leben aufzwingen wollen, es entscheidest doch immer noch Du selbst, was davon Du für Dich zulässt, oder?
captainbeefheart hat geschrieben:Nun ja, in meine Wohnung muss ich doch nicht jeden reinlassen und selbst wenn, dann muss ich die Hässlichkeit der Tapete nicht an mich ranlassen(um im Bild zu bleiben). Das entscheide ich doch für mich. Konkret: Wenn Dir Menschen eine Sprache, oder weiter gefasst, eine Art zu leben aufzwingen wollen, es entscheidest doch immer noch Du selbst, was davon Du für Dich zulässt, oder?
Ich denke, Du weißt selbst sehr genau, dass dem eben nicht so ist.
Und um in Deinem Bild zu bleiben: Dein Wohnzimmer wird tapeziert und zwar so, wie DU es NICHT haben möchtest. Wie lässt Du die Hässlichkeit dann NICHT an Dich herankommen, wenn Du diesen Raum nutzen willst. Und bitte erkläre mir jetzt nicht, dass Du dann halt mit den Schultern zuckst und Dein Wohnzimmer nicht mehr betrittst.
captainbeefheart hat geschrieben:...Konkret: Wenn Dir Menschen eine Sprache, oder weiter gefasst, eine Art zu leben aufzwingen wollen, es entscheidest doch immer noch Du selbst, was davon Du für Dich zulässt, oder?
captainbeefheart hat geschrieben:Nun ja, in meine Wohnung muss ich doch nicht jeden reinlassen und selbst wenn, dann muss ich die Hässlichkeit der Tapete nicht an mich ranlassen(um im Bild zu bleiben). Das entscheide ich doch für mich. Konkret: Wenn Dir Menschen eine Sprache, oder weiter gefasst, eine Art zu leben aufzwingen wollen, es entscheidest doch immer noch Du selbst, was davon Du für Dich zulässt, oder?
Ich denke, Du weißt selbst sehr genau, dass dem eben nicht so ist.
Und um in Deinem Bild zu bleiben: Dein Wohnzimmer wird tapeziert und zwar so, wie DU es NICHT haben möchtest. Wie lässt Du die Hässlichkeit dann NICHT an Dich herankommen, wenn Du diesen Raum nutzen willst. Und bitte erkläre mir jetzt nicht, dass Du dann halt mit den Schultern zuckst und Dein Wohnzimmer nicht mehr betrittst.
Nun, ich für mich nutze die Medien, die ich nutzen möchte und lasse die, die ich nicht verwenden möchte (z.B. reitschuster.de). Ich nutze die Sprache, die ich verwenden möchte und konfrontiere andere in Ihrer Sprachverwendung, wenn mir das zielführend erscheint, werde dabei aber (hoffentlich) nicht übergriffig. Meinerseits konfrontiere ich auch Übergriffigkeit anderer in mein Leben, im Zweifel breche ich eine Beziehung bei fortgesetzter Übergriffigkeit ab. Das ist doch meine Entscheidung, in welchen Kontexten ich mich bewegen möchte. Und dort, wo ich diese Entscheidung tatsächlich nicht habe (z.B. in den Schulsystemen meiner Töchter), übe ich mich in Toleranz: Ich versuche die Motive zu verstehen, ich habe aber nicht den Anspruch, dieselbe Meinung teilen zu müssen, in die eine, wie in die andere Richtung. Mir vollkommen fremde Kontexte haben doch originär nichts mit mir zu tun, das sind Kontexte anderer, die das mit sich ausmachen müssen und nicht zwingend mit mir.
captainbeefheart hat geschrieben:...Konkret: Wenn Dir Menschen eine Sprache, oder weiter gefasst, eine Art zu leben aufzwingen wollen, es entscheidest doch immer noch Du selbst, was davon Du für Dich zulässt, oder?
Es wird dann anders, sobald es erwartet wird.
Warum? Ich muss mein Leben doch nicht entlang der Erwartungen anderer leben? Die Entscheidung dazu liegt bei mir.
captainbeefheart hat geschrieben:Nun, ich für mich nutze die Medien, die ich nutzen möchte und lasse die, die ich nicht verwenden möchte (z.B. reitschuster.de). Ich nutze die Sprache, die ich verwenden möchte und konfrontiere andere in Ihrer Sprachverwendung, wenn mir das zielführend erscheint, werde dabei aber (hoffentlich) nicht übergriffig. Meinerseits konfrontiere ich auch Übergriffigkeit anderer in mein Leben, im Zweifel breche ich eine Beziehung bei fortgesetzter Übergriffigkeit ab. Das ist doch meine Entscheidung, in welchen Kontexten ich mich bewegen möchte. Und dort, wo ich diese Entscheidung tatsächlich nicht habe (z.B. in den Schulsystemen meiner Töchter), übe ich mich in Toleranz: Ich versuche die Motive zu verstehen, ich habe aber nicht den Anspruch, dieselbe Meinung teilen zu müssen, in die eine, wie in die andere Richtung. Mir vollkommen fremde Kontexte haben doch originär nichts mit mir zu tun, das sind Kontexte anderer, die das mit sich ausmachen müssen und nicht zwingend mit mir.
Was meine Frage nicht beantwortet aber sei's drum.
Ich empfinde das Genderthema (und einiges Andere) mittlerweile mehr als übergriffig.
captainbeefheart hat geschrieben:Nun, ich für mich nutze die Medien, die ich nutzen möchte und lasse die, die ich nicht verwenden möchte (z.B. reitschuster.de). Ich nutze die Sprache, die ich verwenden möchte und konfrontiere andere in Ihrer Sprachverwendung, wenn mir das zielführend erscheint, werde dabei aber (hoffentlich) nicht übergriffig. Meinerseits konfrontiere ich auch Übergriffigkeit anderer in mein Leben, im Zweifel breche ich eine Beziehung bei fortgesetzter Übergriffigkeit ab. Das ist doch meine Entscheidung, in welchen Kontexten ich mich bewegen möchte. Und dort, wo ich diese Entscheidung tatsächlich nicht habe (z.B. in den Schulsystemen meiner Töchter), übe ich mich in Toleranz: Ich versuche die Motive zu verstehen, ich habe aber nicht den Anspruch, dieselbe Meinung teilen zu müssen, in die eine, wie in die andere Richtung. Mir vollkommen fremde Kontexte haben doch originär nichts mit mir zu tun, das sind Kontexte anderer, die das mit sich ausmachen müssen und nicht zwingend mit mir.
Was meine Frage nicht beantwortet aber sei's drum.
Ich empfinde das Genderthema (und einiges Andere) mittlerweile mehr als übergriffig.
Ich hatte in den letzten Posts von Dir keine Frage gelesen.
Was genau und konkret ist denn beim Genderthema übergriffig?