Ich habe die Taubertal 100 aufgrund zu garstigen Wetter abgesagt. So war auch mein Versprechen an die Familie. Kein Risiko wegen der MS.
Doch meine Botschaften werden nun nicht überbracht. Das ist nicht schön. Wenigstens virtuell zu unserem alten Lieblingsschachkontrahenten will ich sie überbringen. 50 km. Das ist an guten Tagen machbar. Wenn am Samstag kein passender Zeitpunkt sein soll, vielleicht dann am sonnigen Freitagmittag. Natürlich nur virtuell, also Neckartal statt Taubertal.
Ich starte Freitag 12.30 Uhr, knapp nach der Arbeit, indem ich mir kurzfristig den Nachmittag frei nehme.
Das Wetter ist etwas frisch, aber wolkenlos und fast perfekt. Mein Auto dient wieder als Verpflegungsdepot.
7,5 km Richtung Ruine Minneburg, kehrt. Erste Energiezufuhr. Die Beine sind schon etwas schwer, mehr als ein knapp unter 7 min/km Schnitt ist meist nicht drin. Ob es an den trüben Gedanken der letzten Tage, den Stunden zuvor im Büro oder einer bereits sinkenenden Form liegt? Keine Ahnung.
Doch immerhin es läuft. Was ist nun meine Botschaft?
Ich überlege. Die Zeit vergeht. Energie wirkt. Die Kreise werden kürzer und kürzer. Der Schnitt hält. Ein wichtiger Lerneffekt meines Taubertaltrainings war, dass ich die letzten Jahre einfach zu wenig Energie aufnahm. Auch wenn es im Training oft klappte.
Km 30 in 3.29 Std. Jetzt drehe ich nur noch auf einer 1,2 km langen Runde. Mal in die eine, mal in die andere Richtung. Letztlich ist mir links rum lieber.
Ich denke an Dr. Big und die anderen Läufer*innen, die morgen die große Herausforderung bei vermutlich unangenehmen Wetter laufen. Ich bereue meine Entscheidung nicht. Mir reicht es schon heute. Mal ist es frisch, später wieder sonniger. Theoretisch könnte ich heute noch Armlinge o.ä ergänzen, morgen wäre so etwas schwieriger.
Das nahe Auto ist sehr wichtig für den Kopf. Eine Rettungsmöglichkeit.
Km 40 in 4.39 Std. Die Hoffnung steigt, die Oberschenkel sind allerdings schon lange zu. Ich habe trotzdem ein zusätzliches Ziel. Einen SUB 7min/km Schnitt. Da darf ich aber kein kleines bisschen nachlassen. Jede Trink- oder Pinkelpause muss ich mit etwas flotterem Tempo wieder reinholen.
Ich beschleunige allgemein. Gewohnt zu diesem Zeitpunkt. Ich mag nicht mehr. Ich will den Lauf beenden. Sonst in Taubertal der Nährboden für den Mann mit Hammer, hier muss ich ja "nur" noch 10 km durchhalten.
Es bleibt spannend.
Ich treffe wenige Spaziergänger. Manche dann mehrfach durch meine Kreise.
Ich möchte nicht wissen, was sie denken. Oder vielleicht doch?
Prompt kommt später noch ein Polizeiauto. Aber nicht wegen mir. Allgemeine Lagekontrolle.
Die Trinkpausen müssen jetzt gut geplant sein. Zuviel und ich verliere Zeit. Zuwenig und ich breche ein .
Irgendwann naht der letzte Kilometer. Leichter Endspurt und ich finishe die 50 km in 5.48 Stunden, Punktlandung und Bestzeit seit einigen Jahren
Ich bin versöhnt und überbringe die Botschaft: Wo ein Wille ist, ist auch ein Schlupfloch