Lasst uns mal darüber reden...

Der EMU-Stammtisch

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Wagnerli
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Wagnerli »

Genau das ist Punkte, den ich diskutieren wollte.

Nicht nur Teile der Mittelschicht haben mittlerweile deutlich weniger Geld zur Verfügung.
Was wird aus den Menschen, die jetzt im Billiglohn-Sektor arbeiten
und nur noch eine Grundversorgung erwarten dürfen, wenn sie in Rente gehen ?

Kann diese Entwicklung Nährboden für rechtes Gedankengut fördern ?
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Klugschnacker
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Klugschnacker »

Wagnerli hat geschrieben:Nicht nur Teile der Mittelschicht haben mittlerweile deutlich weniger Geld zur Verfügung.
In den letzten 10 Jahren ist die Mittelschicht sehr geringfügig schmaler geworden. Der allgemeine Trend ist eine Einkommenszunahme. Wessen Einkommen weniger zunimmt als der allgemeine Trend, der bewegt sich relativ in seiner Schicht nach unten, obwohl auch sein Einkommen gestiegen ist. Die Kaufkraft ist auch bei den sozialen "Absteigern" im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen.

Ich glaube nicht, dass dies ausreicht, um den Leuten Angst zu machen. Ich sehe die Ursache eher in der Unsicherheit. Wenn Du heute mit 45 Jahren Deinen Job verlierst, kannst Du vor einem ernsten Problem stehen.

Grüße,
Arne
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Thorsten
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Thorsten »

Klugschnacker hat geschrieben:Fügen wir nun in Gedanken ein drittes Schwein hinzu! Was wird passieren? Alles mögliche, aber irgendwann wird sich das Verhaltensmuster herauskristallisieren, dass nur das stärkste Schwein rennt und die beiden anderen an der Futterklappe warten. Sie müssen nur dafür sorgen, dass das starke Schwein gerade so eben mehr zu fressen bekommt, als es an Energie durch die Rennerei verbraucht und das stärkste Schwein bleibt.
Vielleicht würden es Schweine so machen. Menschen ticken da (leider) etwas anders.

Zwischen den beiden schwächeren Menschen würde sich aber noch herausbilden, dass der stärkere von den beiden den schwächeren beiseite schiebt und sich erstmal satt isst, bis der ganz starke vom Schalter rübergetrabt ist und wiederum den mittleren beiseite schubst.

Außerdem wird der stärkste irgendwann auf die Idee kommen, dass es den schwächsten zum Drücken an den Schalter schickt, sich selbst den Bauch vollschlägt und dem schwächsten noch soviel zu essen lässt, dass der weiter rennen kann. Der mittlere wird sich anbiedern, dass er den Knopf für noch etwas weniger Futter drücken würde und der stärkste hat immer die Auswahl der billigsten Arbeitskraft.

So empfinde ich das momentan hier bei den Menschen. Während ein Schwein irgendwann einfach nicht noch mehr fressen kann, hat der Mensch unbeschränkte Möglichkeiten, weitere Reichtümer anzuhäufen.
Die meisten Radwegbeschilderungen wurden von Aliens erschaffen.
Sie wollen erforschen, wie Menschen in absurden Situationen reagieren.
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Klugschnacker
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Klugschnacker »

Thorsten hat geschrieben:Außerdem wird der stärkste irgendwann auf die Idee kommen, dass es den schwächsten zum Drücken an den Schalter schickt, sich selbst den Bauch vollschlägt und dem schwächsten noch soviel zu essen lässt, dass der weiter rennen kann. Der mittlere wird sich anbiedern, dass er den Knopf für noch etwas weniger Futter drücken würde und der stärkste hat immer die Auswahl der billigsten Arbeitskraft.
Das wäre möglich, aber nicht dauerhaft. Deine angenommene Strategie lässt sich leicht dadurch unterwandern, dass der jeweils Schwächste einfach nichts tut und damit besser fährt.

"Stabil", also dauerhaft, sind nur Strategien, die sich nicht durch eine andere Strategie unterwandern lassen. Das trifft nur auf die Strategie zu, bei der das dominante Schwein selbst rennt.

Lg, A.
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Thorsten
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Thorsten »

Meinst du nicht, dass das Schwein, was mehr Substanz hat und damit mehr aussitzen kann, mit dem anderen einen Deal macht, bevor dieses verhungert? Nach dem Motto "wenn du (schwaches) Schwein läufst, kriegst du gerade eben mehr als du zum Überleben brauchst". Die Alternative fürs schwache Schwein wäre verhungern. Zum Aussitzen reicht die Substanz nicht.

Ich glaube aber auch, dass das menschliche Zusammenleben komplexer und insbesondere von oben kontrollierbarer ist als ein Knopf und ein Futterportionsspender.
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keko
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von keko »

Anja hat geschrieben:
keko hat geschrieben:
Vielleicht stinkt es manchen Leuten einfach nur, dass sie sich nicht mehr jahrelang auf dem Arbeitslosengeld ausruhen können und hartzen müssen?
Was meinst Du damit?
Ich meine damit die Leute, die nun Harzen müssen und denen es vielleicht stinkt, dass einer, der hier noch nie gearbeitet hat, das Gleiche bekommt. Früher hatten sie halt ein paar Jahre Arbeitslosengeld bekommen. Wie nun die Harzer und armen Rentner von den Pediga-Leuten in Schutz genommen werden, ist sowieso der Witz schlechthin. Glaubt einer ernsthaft, dass das Geld, das bei Asylanten eingespart würde, Arme oder Harzer bekämen? :ditsch
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Klugschnacker
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Klugschnacker »

Thorsten hat geschrieben:Meinst du nicht, dass das Schwein, was mehr Substanz hat und damit mehr aussitzen kann, mit dem anderen einen Deal macht, bevor dieses verhungert? Nach dem Motto "wenn du (schwaches) Schwein läufst, kriegst du gerade eben mehr als du zum Überleben brauchst". Die Alternative fürs schwache Schwein wäre verhungern. Zum Aussitzen reicht die Substanz nicht.
Da hast Du zweifellos recht, aber dieser Deal wäre nicht von Dauer. Sobald es dem schwachen Schwein besser geht und es etwas Substanz hat, wird seine Faulheit wieder belohnt. Das schwache Schwein hat zwei Optionen, das starke nur eine einzige.

Worauf ich damit hinaus will ist, dass sich stabile Verhältnisse nur dann einstellen können, wenn Egoismus das zentrale Motiv ist. Frieden im Sinne eines gegenseitigen Altruismus ist nie stabil, da er von Egoisten leicht unterwandert werden kann. Das ist auch das was wir in der Gesellschaft vorfinden: Ein Kampfgleichgewicht gegenseitiger Ausbeutung anstelle echter Fürsorge. Die Gründe dafür sind prinzipieller Natur, das wollte ich mit der schweinischen Geschichte verdeutlichen.
:chris76
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keko
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von keko »

Wagnerli hat geschrieben:
PS:Eines mag ich aber gerade klar stellen.
Bei mir bleibt am Monatsende nicht viel über, weil ich meine Tochter gerne im Studium unterstütze.
Die Thailandreise habe ich von meinen Ersparnissen bezahlt, weil ich die Auszeit nach meiner Kündigung brauchte.
2013 und 2014 waren dann doch etwas viel.
Die Hawaii-Reisen hat großteilig Hazel bezahlt, weil er gutes Geld verdient der hast Du geglaubt, ich kann mir das als kleine Angestellte leisten?
Ich habe gar nichts geglaubt und mich geht das auch nichts an, was du mit deinem Geld machst. Du arbeitest ordentlich und investiert in deinen Nachwuchs und kannst dir Kleinigkeiten gönnen. Es scheint also zu gehen. Das wollte ich zeigen.

Leben bedeutet für mich ständige Anpassung an immer andere Zustände. Das wird wohl auch immer so bleiben. Wenn das Geld für seine Wünsche nicht reicht, muss man halt mehr arbeiten. Ich finde, uns geht es in Deutschland extrem gut und man hat alle Möglichkeiten. Es gibt noch immer eine Relation zwischen Einsatz und Ertrag.
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keko
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von keko »

Klugschnacker hat geschrieben:
Ich glaube nicht, dass dies ausreicht, um den Leuten Angst zu machen. Ich sehe die Ursache eher in der Unsicherheit. Wenn Du heute mit 45 Jahren Deinen Job verlierst, kannst Du vor einem ernsten Problem stehen.

Grüße,
Arne
War das früher mal besser?
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Klugschnacker »

keko hat geschrieben:War das früher mal besser?
Hm, das kann ich eigentlich nicht sachlich beurteilen. Meiner Wahrnehmung nach gibt es zumindest das Gefühl, dass man früher von der Lehre bis zur Rente im gleichen Betrieb war, wenn man wollte. Und dass sich heute das Karussell schneller dreht und man mit 45 zum alten Eisen zählt.

Ob diese Wahrnehmung eine sachliche Grundlage hat, habe ich ehrlicherweise nicht überprüft. Mich betrifft das auch nicht, denn als Selbständigem weht mir ein kälterer Wind um die Nase, als dem durchschnittlichen Angestellten. Die Unsicherheiten, vor denen der sich fürchtet, sind für mich Alltag.

Grüße,
Arne
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Klugschnacker »

Pegida ist übrigens nichts Neues. Die Menschen und ihre Einstellungen gab es bereits davor. Pegida hat sie nur hörbar gemacht. Der allgemeine Groll gegen Pegida hat etwas von der Geschichte, bei der der Überbringer der Nachricht geköpft wurde.

In Deutschland fehlt offenbar eine Möglichkeit, über die Probleme der Zuwanderung zu sprechen. Zuwanderung schafft neben den bekannten Vorteilen zweifellos auch Probleme. Es ist bei uns unfein, diese Anzusprechen. Das sollte sich ändern. Wir müssen auch über diesen Aspekt der Zuwanderung sachlich sprechen können.

Im Moment scheint es, als hätte sich da einiges angestaut, was sich nun vehement und unsachlich Raum schafft. Das geht vorbei. Bleiben sollte die Möglichkeit, auch über die Probleme der Zuwanderung sprechen zu können. Eine Demokratie hält das aus.

Grüße,
Arne
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Anja »

keko hat geschrieben: Wenn das Geld für seine Wünsche nicht reicht, muss man halt mehr arbeiten. Ich finde, uns geht es in Deutschland extrem gut und man hat alle Möglichkeiten. Es gibt noch immer eine Relation zwischen Einsatz und Ertrag.
Solange es für Tätigkeiten im Schichtdienst über Zeitarbeit nur rund 1300 € gibt, gibt es in meinen Augen eben keine Möglichkeiten mehr etwas dazu zu verdienen oder die Relation zwischen Einsatz und Ertrag stimmt nicht mehr.
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12.10.2014 - München Marathon * 12.07.2015 - Challenge Roth * 27.09.2015 - Berlin Marathon *
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von drullse »

Klugschnacker hat geschrieben:Alles Gute für Dich und Dein Knie.
Danke. Einschlag mit 4:30 min/km auf den Bürgersteig gestern abend, die Abschürfungen tun schweinisch weh, wenn die Haut bewegt wird... :dead
Mein Text ist etwas lang geworden (sorry). Vergiss ihn einfach
Wieso "sorry"? Der Text regt zum Denken an, was Besseres kann doch nicht passieren. Deswegen werde ich ihn erst recht nicht vergessen! :D
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Anja
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von Anja »

keko hat geschrieben:
Anja hat geschrieben:
keko hat geschrieben:
Vielleicht stinkt es manchen Leuten einfach nur, dass sie sich nicht mehr jahrelang auf dem Arbeitslosengeld ausruhen können und hartzen müssen?
Was meinst Du damit?
Ich meine damit die Leute, die nun Harzen müssen und denen es vielleicht stinkt, dass einer, der hier noch nie gearbeitet hat, das Gleiche bekommt. Früher hatten sie halt ein paar Jahre Arbeitslosengeld bekommen. Wie nun die Harzer und armen Rentner von den Pediga-Leuten in Schutz genommen werden, ist sowieso der Witz schlechthin. Glaubt einer ernsthaft, dass das Geld, das bei Asylanten eingespart würde, Arme oder Harzer bekämen? :ditsch
Harzen = Arbeitslosengeld 2 (Alg 2) beziehen.

Die Höhe der Bezüge von alter Arbeitslosenhilfe und jetzigem Alg 2 zu vergleichen ist komplexer. Ebenso alte Sozialhilfe und Alg 2.

Bei den Asylanten gibt es Unterschiede: welche die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten und welche die Alg 2 erhalten.

Es gibt Menschen im Alg2, die noch nie gearbeitet haben. So wie früher in der Sozialhilfe.

Es gibt Menschen (insbesondere Großfamilien), denen es mit Alg 2 nicht wirklich schlecht geht. Zumindest ist die Summe der Leistungen der ganzen Familie sicher höher als 53% des letzten Nettolohnes (zuletzt Arbeitslosenhilfe-Satz).
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drullse
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Re: Lasst uns mal darüber reden...

Beitrag von drullse »

keko hat geschrieben:Wenn das Geld für seine Wünsche nicht reicht, muss man halt mehr arbeiten.
Als wenn das so einfach wäre. Und noch mal: schau Dich bitte mal um, bei wie vielen Menschen es nicht darum geht, dass das Geld nicht für irgendwelche Wünsche reicht, sondern fürs tägliche Leben. Und denen erzähl mal, dass Sie doch einfach nur mehr arbeiten müssen, dann ist das alles kein Problem.

Ich lade Dich ein, mal 4 Wochen bei mir zu arbeiten und Dir genau diese Klientel mal anzuschauen und anzuhören. Danach reden wir dann weiter. Es klingt vielleicht etwas hart aber ich glaube nicht, dass Du nachvollziehen kannst, was es bedeutet, keinen Job zu haben und an jeder Tür eines Personalbüros abzuprallen.
Ich finde, uns geht es in Deutschland extrem gut und man hat alle Möglichkeiten.
Dachte ich auch mal. 2,5 Jahre Arbeitslosigkeit und 110 Bewerbungen später sehe ich das deutlich differenzierter...
Es gibt noch immer eine Relation zwischen Einsatz und Ertrag.
Für manche ja. Für viele nicht. Auch hier wieder die Frage, wieviele Personen Du in Deinem direkten Umfeld hast, die mit Mindestlohn nach Hause gehen und ob Du tatsächlich meinst, dass da Einsatz und Ertrag stimmen (im Vergleich zu unseren Jobs z.B.)?
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