Die klassenlose Gesellschaft ;)

Der EMU-Stammtisch

Moderator: Moderator

Antworten
Benutzeravatar
wehaka
100km Emu
Beiträge: 6177
Registriert: 18 Jun 2004 12:00

Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von wehaka »

FAZ-Artikel
Auch der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Kauder sah die Unionsforderung bestätigt, Arbeitslose durch mehr Anreize wieder zur Arbeit zu drängen. Kauder sprach von einer vernachlässigten Folge der Massenarbeitslosigkeit. Es gebe „in Teilen der Gesellschaft bereits Verwahrlosung“. Den Begriff “Unterschicht“ lehnte er ebenso ab wie die SPD, da er zu sehr stigmatisiere. Statt von einer Unterschicht spreche er lieber von Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen.

Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) sagte: „Es gibt keine Schichten in Deutschland“, nur Menschen, die es schwerer als andere hätten.
Wundert sich da noch jemand, dass die "Volks"parteien nur noch bei 30% rumdümpeln?
vb_man
Rote Socken Emu
Beiträge: 19695
Registriert: 21 Nov 2004 12:00

Beitrag von vb_man »

Der Begriff "Unterschichtenfernsehen" war bereits salonfähig, da wußte die Ebert-Stiftung noch gar nichts von der neuen Unterschicht.

Der Begriff "Unterschicht" wird imho gerne von denjenigen bemüht, die auf gar keinen Fall der Unterschicht angehören möchten.
Benutzeravatar
wehaka
100km Emu
Beiträge: 6177
Registriert: 18 Jun 2004 12:00

Beitrag von wehaka »

vb_man hat geschrieben:Der Begriff "Unterschicht" wird imho gerne von denjenigen bemüht, die auf gar keinen Fall der Unterschicht angehören möchten.
Dazu gehören Kauder und Münte sicherlich auch. ;)
Aber hier geht´s eher um das typische Politikerverhalten: indem man das "böse" Wort vermeidet, versucht man das Problem zu leugnen.
"Schichten" ist ja nur ein weicheres Wort für "Klassen". Wir leben in einer Klassengesellschaft, das war nie anders. Witzig ist nur, dass sich fast niemand mehr einer Klasse zugehörig fühlt. :lol:
Was ist, wenn sich das ändert?
Benutzeravatar
thilo69
2-fach Eiermann Emu
Beiträge: 10475
Registriert: 29 Okt 2005 12:00
Wohnort: Middlfrangn

Beitrag von thilo69 »

wehaka hat geschrieben: indem man das "böse" Wort vermeidet, versucht man das Problem zu leugnen.
Typischer Fall von Verdrängung! (frei nach "Findet Nemo!"

Das ist genau das Problem. Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern um Phrasen, Darstellungen, "Schwarzer Peter zuschieben" etc.! Wie soll das was vorwärts gehen, wenn man die Probleme nicht einfach mal am Schopf packt und löst?
Sind wir nicht alle ein bisschen.....EMU!?
Benutzeravatar
drullse
Das Rennsemmel-Emu
Beiträge: 30828
Registriert: 17 Jan 2005 12:00
Wohnort: Muria

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von drullse »

Statt von einer Unterschicht spreche er lieber von Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen.
Mit Verlaub, der Kauder ist einfach nur ein W******. Nicht mehr und nicht weniger.

Nach wie vor wünschte ich mir, die sogenannten sozialen Problemfälle würden denen mal richtig auf die Pelle rücken. Aber die Lethargie ist einfach zu groß...
Weiteratmen - DAS ist der Trick!!!
vb_man
Rote Socken Emu
Beiträge: 19695
Registriert: 21 Nov 2004 12:00

Beitrag von vb_man »

wer unter prekären Umständen seine Existenz fristet, gehört jetzt dem Prekariat an. Klingt wohl nicht so negativ wie Proletariat oder Unterschicht. Karl M. würde ob der Schlussfolgerungen seiner Erben in der FES im Grabe rotieren.

Mein Vorschlag für das Umwort des Jahres 2006 ist Prekariat :roll:
Benutzeravatar
meggele
Das Hawaii Emu
Beiträge: 20947
Registriert: 29 Mär 2005 11:59
Wohnort: Hamburg
Kontaktdaten:

Beitrag von meggele »

vb_man hat geschrieben:Mein Vorschlag für das Umwort des Jahres 2006 ist Prekariat :roll:
Abba echt :roll: Glauben die ernsthaft, die Leute würden nicht merken, daß sie dem Prekariat angehören, nur weil sie nicht wissen, wie man das nennt, was jetzt nicht mehr hoffnungslose Unterschicht genannt werden soll?
Es endet immer gleich.
Benutzeravatar
Linus
Klugscheiß Emu
Beiträge: 6423
Registriert: 18 Jun 2004 12:00
Wohnort: Nabel der Welt
Kontaktdaten:

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von Linus »

drullse hat geschrieben:
Statt von einer Unterschicht spreche er lieber von Menschen mit sozialen und Integrationsproblemen.
Mit Verlaub, der Kauder ist einfach nur ein W******. Nicht mehr und nicht weniger.

Nach wie vor wünschte ich mir, die sogenannten sozialen Problemfälle würden denen mal richtig auf die Pelle rücken. Aber die Lethargie ist einfach zu groß...
Wenn diejenigen, die zunehmend am Rand der Gesellschaft leben, aus ihrer Lethargie erwachen, dann werden sie sich erstmal um die Verbesserung der eigenen Situation und nicht primär um die Verbesserung der Gesellschaft kümmern.

Leider haben wir ein System, daß durch Geldzahlung ohne Gegenleistung jede Eigeninitiative blockiert. Nein, ich will jetzt nicht daß die Arbeitslosen mit der Zahnbürste die Marktplätze schrubben sollen. Nur müssen Anreize zur Eigeninitiative her. Wer sich als arbeitsloser eine Ausbildungsstelle sucht um seine Chancen zu verbessern verliert sein Recht auf Arbeitslosengeld. Ähnlich mit Zuverdiensten. Das exclusive entweder Arbeitslosengeld oder was Anderes halte ich für grundlegend falsch.


Die Alternative wäre mehr staatliche Bevormundung, aber das will ja eigentlich keiner.

P.S. was mich am meisten ankotzt ist, daß jetzt quer duch die politische Landschaft mit Debatten über Begriffe vom eigentlichen Problem abgelenkt wird.
Ich kann Leute, die mich ernst nehmen, einfach nicht ernst nehmen,
Benutzeravatar
drullse
Das Rennsemmel-Emu
Beiträge: 30828
Registriert: 17 Jan 2005 12:00
Wohnort: Muria

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von drullse »

Linus hat geschrieben:Wenn diejenigen, die zunehmend am Rand der Gesellschaft leben, aus ihrer Lethargie erwachen, dann werden sie sich erstmal um die Verbesserung der eigenen Situation und nicht primär um die Verbesserung der Gesellschaft kümmern.
Das sollen sie dann aber bitte bei denen machen, die dafür die Verantwortung tragen. Nur passiert das nicht.
Leider haben wir ein System, daß durch Geldzahlung ohne Gegenleistung jede Eigeninitiative blockiert. Nein, ich will jetzt nicht daß die Arbeitslosen mit der Zahnbürste die Marktplätze schrubben sollen. Nur müssen Anreize zur Eigeninitiative her. Wer sich als arbeitsloser eine Ausbildungsstelle sucht um seine Chancen zu verbessern verliert sein Recht auf Arbeitslosengeld. Ähnlich mit Zuverdiensten. Das exclusive entweder Arbeitslosengeld oder was Anderes halte ich für grundlegend falsch.
:???:
Weiteratmen - DAS ist der Trick!!!
Benutzeravatar
drullse
Das Rennsemmel-Emu
Beiträge: 30828
Registriert: 17 Jan 2005 12:00
Wohnort: Muria

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von drullse »

Linus hat geschrieben:P.S. was mich am meisten ankotzt ist, daß jetzt quer duch die politische Landschaft mit Debatten über Begriffe vom eigentlichen Problem abgelenkt wird.
Was ist daran neu?
Weiteratmen - DAS ist der Trick!!!
Benutzeravatar
PeterMUC
Das Wiesn-EMU
Beiträge: 6284
Registriert: 15 Mär 2005 12:00
Wohnort: Bei der Strick-Liesl

Beitrag von PeterMUC »

wehaka hat geschrieben:Witzig ist nur, dass sich fast niemand mehr einer Klasse zugehörig fühlt. :lol:
Doch !!
ICH !!!


AK4
Du kannst aus einem dicken Schwein kein Rennpferd machen,
aber Du kannst versuchen, daraus das schnellste Schwein zu machen.
Benutzeravatar
PeterMUC
Das Wiesn-EMU
Beiträge: 6284
Registriert: 15 Mär 2005 12:00
Wohnort: Bei der Strick-Liesl

Beitrag von PeterMUC »

In der SZ war am WE eine einseitige Anzeige von irgendsoeiner Initiative, in der lang und breit erklärt wurde, was man mit den Arbeitslosen machen könnte.
Hat das jemand von Euch auch gelesen ??
Du kannst aus einem dicken Schwein kein Rennpferd machen,
aber Du kannst versuchen, daraus das schnellste Schwein zu machen.
Benutzeravatar
Linus
Klugscheiß Emu
Beiträge: 6423
Registriert: 18 Jun 2004 12:00
Wohnort: Nabel der Welt
Kontaktdaten:

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von Linus »

drullse hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:P.S. was mich am meisten ankotzt ist, daß jetzt quer duch die politische Landschaft mit Debatten über Begriffe vom eigentlichen Problem abgelenkt wird.
Was ist daran neu?
Nichts, aber ankotzen tut es mich trotzdem.
Ich kann Leute, die mich ernst nehmen, einfach nicht ernst nehmen,
Benutzeravatar
Linus
Klugscheiß Emu
Beiträge: 6423
Registriert: 18 Jun 2004 12:00
Wohnort: Nabel der Welt
Kontaktdaten:

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von Linus »

drullse hat geschrieben:
Linus hat geschrieben:Wenn diejenigen, die zunehmend am Rand der Gesellschaft leben, aus ihrer Lethargie erwachen, dann werden sie sich erstmal um die Verbesserung der eigenen Situation und nicht primär um die Verbesserung der Gesellschaft kümmern.
Das sollen sie dann aber bitte bei denen machen, die dafür die Verantwortung tragen. Nur passiert das nicht.
Das verstehe ich jetzt nicht ...

drullse hat geschrieben:
Leider haben wir ein System, daß durch Geldzahlung ohne Gegenleistung jede Eigeninitiative blockiert. Nein, ich will jetzt nicht daß die Arbeitslosen mit der Zahnbürste die Marktplätze schrubben sollen. Nur müssen Anreize zur Eigeninitiative her. Wer sich als arbeitsloser eine Ausbildungsstelle sucht um seine Chancen zu verbessern verliert sein Recht auf Arbeitslosengeld. Ähnlich mit Zuverdiensten. Das exclusive entweder Arbeitslosengeld oder was Anderes halte ich für grundlegend falsch.
:???:
Na gut, ich sollte mich einfacher ausdrücken. Eigeninitiative, die eigene Situation zu verbessern, gehört gefördert. Heute wird sie aber eher bestraft.
Ich kann Leute, die mich ernst nehmen, einfach nicht ernst nehmen,
Benutzeravatar
DragAttack
Hell on High(w)heels-Emu
Beiträge: 3855
Registriert: 27 Nov 2004 12:00
Wohnort: Fhain

Re: Die klassenlose Gesellschaft ;)

Beitrag von DragAttack »

Linus hat geschrieben:Na gut, ich sollte mich einfacher ausdrücken. Eigeninitiative, die eigene Situation zu verbessern, gehört gefördert. Heute wird sie aber eher bestraft.
Das Hauptproblem das ich sehe ist, das die Politiker noch immer an der Lüge festhalten, es könne jemanls wieder sowas wie vollbeschäftigung geben. Dadurch werden Arbeitslose, die Null Chance haben jemals wieder eine Arbeit zu bekommen, daran gehindert, innerhalb der Arbeitslosigkeit sich einen Lebenssinn zu suchen.

Das Problem der Arbeitslosigkeit ist doch hauptsächlich, das wir in einer geselschaft leben, in der der Wert eines Menschen weitgehend an seiner beruflichen Produktivität gemessen wird. IMO wäre viel gewonnen, wenn es gelinge diese Koppelung zu durchschlagen und den Arbeitslosen ermunterte, sich andere sinnvolle Lebensinhalte zu suchen.

Gruß Torsten
Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt.


In memorem:
Bild
Antworten