Cogi Tatum hat geschrieben:[Der Volksmund weiß dann auch noch, dass Totgesagte länger leben.
Und im Gegensatz zu Kodak sind BMW, Daimler und VW recht lebendig.
Und können die, die der deutschen Automobilindustrie so kritisch gegenüberstehen und sie für einen unflexiblen Dinosaurier halten der die (digitale) Zukunft verpennt, sich noch an die 1990er Jahre und die debis Systemhaus GmbH* erinnern?
Und nehme das hier keiner persönlich. Es dient (mir) einzig der Unterhaltung und dem Erhalt einiger Gehirnfunktionen.
*Die debis Systemhaus GmbH, Stuttgart wurde 1990 als strategisches Geschäftsfeld der Daimler-Benz Dienstleistungstochter debis AG gegründet. Den Kern bildeten die Rechenzentren und Systementwicklungsabteilungen der Gesellschaften des Daimler-Benz Konzerns. Hinzugekauft wurden unter anderen die Gesellschaft für Elektronische Informationsverarbeitung mbH (GEI), Aachen und das Rechenzentrum der Metallgesellschaft AG, Frankfurt/Main.(Wikipedia)
Interessante Perspektive. Die debis hatte allerdings keine unmittelbare Relevanz für das Kerngeschäft "Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Automobilen" (unter der Marke Mercedes), sondern war Teil der Diversifikationsstrategie von dem damaligen Vorstand mit Edzard Reuter (hier wurde das seinerzeit soweit getrieben, dass es am Ende 63 (!) Geschäftsfelder gab, vom Kühlschrank bis zur Rakete). in der debis wurden, wie Du schreibst, als Profit Center Rechenzentren betrieben, u.a. das eigene Daimler Rechenzentrum, aber auch - es war der Beginn des Outsourcing-Hype - von anderen Organisationen. Daraus eine Innovationsleistung für die Weiterentwicklung von Fahrzeugen abzuleiten ist schlicht falsch. Daten haben in den 90er Jahren für PKW und LKW keine Rolle gespielt, es war ein rein mechanisches / analoges Paradigma: "Blech biegen" und "Motoren bauen".
Zwei kleine Notizen am Rande: Mitte der 90er hatte Mercedes ein fertig ausgearbeitetes Modell entwickelt, in dem man kein einzelnes Auto mehr kauft, sondern "Nutzungs-Kilometer", die man in unterschiedlichen Fahrzeugen abfährt - eine Art frühes Spotify-Modell für PKW. Das wurde mutlos eingestampft. Und der Kauf des Smart-Konzepts (von VW, die das von Ford erworben hatten), ebenfalls Mitte der 90er, fällt auch auf eine innovative Idee von Frederic Vester zurück, der den Smart in Kopplung mit der Bahn als vernetzte Mobilitätslösung erfunden hatte. Die fantastische Grundidee von Vester wurde auch mutlos seines innovativen Kerns beraubt, weil man nicht an integrierte Verkehrskonzepte glaubte. Der maßgebliche Verkauf der zuvor fusionierten Sharing Konzepte von BMW und Daimler ist dasselbe Desaster mit Blick auf zukunftsfähige Mobilitätskonzepte.
Mann, wie weit wäre unser Vorsprung in "modernen" Mobilitätslösungen heute, würde sowas auch nur mit annähernder Chuzpe von Musk angepackt und umgesetzt. (Nur um klar zu sein: Ich bin kein Tesla Fanboy, ich finde das hinterfotzig vorgeschobene Geschäftsmodell von Tesla abstoßend, bewundere aber den Mut, mit dem hier Innovationen in den Markt gedrückt werden)